Asherman-Syndrom: Vernarbungen

Asherman-Syndrom

Asherman-Syndrom: Wenn Verwachsungen in der Gebärmutter zu Zyklusstörungen und Kinderwunschproblemen führen

Das Asherman-Syndrom ist eine seltene, aber ernstzunehmende gynäkologische Erkrankung, die oft lange unentdeckt bleibt. Viele Frauen, die unter ausbleibender Menstruation, ungewöhnlichen Zyklusstörungen oder unerfülltem Kinderwunsch leiden, erhalten erst nach einer langen Odyssee durch Arztpraxen die richtige Diagnose. Dabei ist eine frühzeitige Erkennung entscheidend – denn mit der richtigen Behandlung kann nicht nur die Regelblutung oft wiederhergestellt werden, sondern in vielen Fällen auch die Chance auf eine Schwangerschaft verbessert werden.

In diesem Artikel erhalten Sie umfassende Informationen über die Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten des Asherman-Syndroms. Außerdem erfahren Sie, wann ein Verdacht begründet ist und wie die Prognose nach erfolgreicher Behandlung aussieht.

Was genau ist das Asherman-Syndrom?

Das Asherman-Syndrom beschreibt eine krankhafte Veränderung der Gebärmutterhöhle durch Verwachsungen oder Narbengewebe. Diese sogenannten intrauterinen Synechien führen dazu, dass Teile oder sogar die gesamte Schleimhaut der Gebärmutter zerstört oder durch faseriges Gewebe ersetzt werden. Infolge dieser Vernarbungen kann die Gebärmutter ihre normalen Funktionen nicht mehr erfüllen – insbesondere im Hinblick auf den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit.

Die Erkrankung wurde nach dem Gynäkologen Joseph Asherman benannt, der sie in den 1940er-Jahren erstmals beschrieb. Sie tritt weltweit auf, ist jedoch vergleichsweise selten. Die tatsächliche Häufigkeit ist schwer zu beziffern, da viele Fälle nicht erkannt oder anderen Zyklusstörungen zugeordnet werden.

Wie entsteht das Asherman-Syndrom?

In den meisten Fällen entsteht das Asherman-Syndrom durch eine Verletzung oder starke Irritation der Gebärmutterschleimhaut – des sogenannten Endometriums. Besonders empfindlich reagiert die Schleimhaut auf chirurgische Eingriffe wie Ausschabungen, die zu tief oder wiederholt durchgeführt werden.

Häufigste Ursachen

  1. Abrasio (Kürettage):
    Die häufigste Ursache ist eine Ausschabung der Gebärmutter, insbesondere nach einer Fehlgeburt, einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Geburt mit Plazentaresten. Wird die Schleimhaut dabei zu tief abgetragen, kann es zu einer narbigen Heilung kommen.
  2. Wiederholte intrauterine Eingriffe:
    Frauen, die mehrere operative Eingriffe wie Myomentfernungen oder Polypresektionen hatten, haben ein erhöhtes Risiko. Auch operative Eingriffe bei einer Uterusseptumkorrektur (Trennwand in der Gebärmutter) können ursächlich sein.
  3. Infektionen:
    In seltenen Fällen kann eine schwere Gebärmutterentzündung, beispielsweise durch Tuberkulose oder Schistosomiasis, zur Ausbildung von Synechien führen. Diese Infektionen sind in Mitteleuropa jedoch sehr selten.
  4. Strahlentherapie:
    Nach einer onkologischen Bestrahlung des kleinen Beckens kann es zu bleibenden Schäden der Gebärmutterschleimhaut und zur Ausbildung von Verwachsungen kommen.
  5. Geburtskomplikationen:
    Eine Plazentaretention nach der Geburt oder ein manuelles Lösen der Plazenta kann die Schleimhaut verletzen. Auch hier besteht das Risiko für eine narbige Abheilung.

Besonders gefährdet sind Frauen, bei denen mehrere dieser Risikofaktoren zusammenkommen – etwa eine Ausschabung nach einer Entbindung mit anschließender Infektion.

Symptome Asherman

Das Beschwerdebild des Asherman-Syndroms ist abhängig davon, wie stark die Gebärmutterhöhle betroffen ist. Bei leichten Fällen bleibt die Regelblutung zwar erhalten, fällt aber schwächer aus. In ausgeprägteren Fällen bleibt sie ganz aus oder es kommt zu schmerzhaften Blutstauungen.

Typische Symptome:

  1. Ausbleibende oder schwache Menstruation (Amenorrhoe / Hypomenorrhoe):
    Ein häufiges erstes Anzeichen ist eine Veränderung der Periode. Frauen bemerken, dass ihre Blutung nach einem Eingriff deutlich kürzer oder schwächer ist – oder ganz ausbleibt. Dies geschieht, weil das Endometrium nicht mehr ausreichend aufgebaut wird oder der Abfluss behindert ist.
  2. Zyklische Schmerzen:
    Manche Patientinnen berichten über regelmäßige Unterleibsschmerzen, obwohl keine Blutung einsetzt. Dies kann auf eine Hämatometra hindeuten – also eine Blutansammlung in der Gebärmutter, die nicht abfließen kann.
  3. Unerfüllter Kinderwunsch:
    Verwachsungen im Uterus können die Einnistung eines Embryos verhindern oder eine Schwangerschaft unmöglich machen. Auch wenn eine Befruchtung stattfindet, kann sich die Schwangerschaft in einer unzureichend aufgebauten Schleimhaut nicht halten.
  4. Wiederholte Fehlgeburten:
    Selbst, wenn eine Schwangerschaft zustande kommt, ist das Risiko für einen Abort erhöht. Ursache ist häufig die gestörte Durchblutung der Schleimhaut oder eine fehlerhafte Plazentaanlage.
  5. Plazentationsstörungen:
    Schwangerschaften, die trotz Asherman-Syndrom erhalten bleiben, gehen häufig mit Komplikationen einher – etwa einer Plazenta accreta, bei der die Plazenta zu tief in die Gebärmutterwand eindringt und sich nach der Geburt nur schwer ablöst.

Wie wird das Asherman-Syndrom diagnostiziert?

Die Diagnostik kann mitunter schwierig sein, da viele Symptome auch bei anderen gynäkologischen Erkrankungen auftreten. Besonders bei Frauen mit Kinderwunsch oder Zyklusstörungen nach operativen Eingriffen sollte jedoch frühzeitig an das Asherman-Syndrom gedacht werden.

Diagnostische Methoden im Überblick:

  1. Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung):
    Die Hysteroskopie gilt als sicherstes und präzisestes Verfahren zur Diagnose des Asherman-Syndroms. Dabei wird ein dünnes optisches Instrument durch die Scheide in die Gebärmutter eingeführt. So können Verwachsungen direkt dargestellt, lokalisiert und teilweise gleich entfernt werden.
  2. Hysterosonographie:
    Bei dieser Ultraschalltechnik wird sterile Flüssigkeit in die Gebärmutterhöhle eingebracht. So lassen sich Konturveränderungen oder faserige Strukturen im Uterus besser erkennen.
  3. Hysterosalpingographie (HSG):
    Ein Kontrastmittel wird über den Gebärmutterhals eingebracht und mithilfe eines Röntgengeräts verfolgt. Diese Methode erlaubt Aussagen über die Form der Gebärmutter und die Durchgängigkeit der Eileiter – und kann dabei Verwachsungen aufzeigen.
  4. Transvaginaler Ultraschall:
    Zwar kann auch ein regulärer Ultraschall Hinweise liefern, beispielsweise durch eine auffallend dünne Schleimhaut, doch ist er allein meist nicht ausreichend zur Diagnosestellung.

Wie wird das Asherman-Syndrom behandelt?

Die Therapie des Asherman-Syndroms ist chirurgisch und erfolgt hysteroskopisch. Ziel der Behandlung ist es, die normale Anatomie der Gebärmutter wiederherzustellen, das Endometrium zur Regeneration anzuregen und die Fruchtbarkeit zu verbessern.

Hysteroskopische Adhäsiolyse

Bei diesem minimalinvasiven Eingriff werden die Verwachsungen gezielt unter Sicht gelöst. Dabei ist höchste Präzision erforderlich, um gesundes Gewebe nicht weiter zu schädigen. Je nach Ausmaß kann es notwendig sein, die Operation in mehreren Sitzungen durchzuführen.

Nach dem Eingriff kommen meist unterstützende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Einlage eines Ballonkatheters oder einer speziellen Spirale, um erneute Verwachsungen zu verhindern.
  • Hormontherapie mit Östrogenen, um das Wachstum einer neuen, gesunden Gebärmutterschleimhaut zu fördern.
  • Kontrollhysteroskopie, meist sechs bis acht Wochen nach dem Eingriff, um den Behandlungserfolg zu überprüfen.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Prognose hängt stark vom Schweregrad des Asherman-Syndroms ab. Bei leichten bis mittelgradigen Ausprägungen lassen sich gute Ergebnisse erzielen – sowohl hinsichtlich der Wiederherstellung der Regelblutung als auch der Fruchtbarkeit.

In schweren Fällen, bei denen die gesamte Gebärmutterhöhle betroffen ist oder kaum noch regenerierbares Endometrium vorhanden ist, kann die Prognose eingeschränkt sein. Hier sind in der Regel mehrere operative Eingriffe und eine intensive Nachbehandlung notwendig. In seltenen Fällen bleibt die Gebärmutter dauerhaft funktionslos.

Frauen, die nach erfolgreicher Behandlung schwanger werden, benötigen eine engmaschige Betreuung in einer spezialisierten Praxis oder Klinik, da das Risiko für Komplikationen wie Plazentationsstörungen, Frühgeburten oder Kaiserschnittentbindungen erhöht sein kann.

Asherman-Syndrom Kinderwunsch

Asherman-Syndrom und Kinderwunsch

In der Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch sollte bei folgenden Konstellationen gezielt nach einem Asherman-Syndrom gesucht werden:

  • Menstruationsveränderungen nach Ausschabungen
  • Zyklusstörungen mit gleichzeitigem Kinderwunsch
  • Fehlgeburten in der Vorgeschichte, insbesondere nach operativen Eingriffen
  • Plazentationsprobleme in früheren Schwangerschaften

Die frühzeitige Diagnose und Therapie kann entscheidend für den weiteren Verlauf sein – insbesondere, wenn ein Kinderwunsch besteht. In vielen Fällen kann durch eine gezielte hysteroskopische Behandlung die Gebärmutter so rekonstruiert werden, dass eine Schwangerschaft möglich wird.

Leben mit Asherman-Syndrom – psychologische Aspekte

Neben den körperlichen Auswirkungen ist das Asherman-Syndrom für viele Frauen auch emotional belastend. Besonders Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder nach Fehlgeburten erleben die Diagnose als krisenhaft. Schuldgefühle nach operativen Eingriffen oder Unverständnis im sozialen Umfeld können das emotionale Gleichgewicht zusätzlich beeinträchtigen.

Eine einfühlsame, ärztliche Begleitung sowie gegebenenfalls psychologische Unterstützung sind in dieser Phase besonders wichtig. Viele Frauen empfinden es als hilfreich, sich in Selbsthilfegruppen oder Online-Communities mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Frühzeitige Diagnose kann entscheidend sein

Das Asherman-Syndrom ist zwar selten, aber behandelbar – insbesondere, wenn es frühzeitig erkannt wird. Frauen, die nach einer Gebärmutterausschabung oder einem anderen Eingriff Zyklusveränderungen, Schmerzen oder einen unerfüllten Kinderwunsch erleben, sollten das Gespräch mit ihrer Frauenärztin suchen. Eine gezielte Diagnostik – insbesondere durch eine Hysteroskopie – kann Klarheit schaffen.

Durch moderne operative Techniken und eine sorgfältige Nachsorge lassen sich heute viele Fälle erfolgreich behandeln. Wichtig ist eine individuelle und fachlich kompetente Betreuung – idealerweise durch spezialisierte Gynäkolog:innen mit Erfahrung in der operativen Therapie des Asherman-Syndroms und der Begleitung von Kinderwunschpatientinnen.

Asherman-Syndrom abklären

Sie möchten wissen, ob bei Ihnen ein Asherman-Syndrom vorliegen könnte oder suchen eine fundierte Zweitmeinung? In unserer Praxis beraten und begleiten wir Sie gerne individuell.

Vereinbaren Sie Ihren persönlichen Termin online oder telefonisch unter +43 1 394 17 17 – wir freuen uns, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten.

SANTÉ FEMME – Auerspergstraße 17, 1080 Wien
Wir sind für Sie da.