Die Autoimmunkrankheit Hashimoto-Thyreoiditis

Die Autoimmunerkrankung, die Frauen am häufigsten trifft – und oft jahrelang unerkannt bleibt. Viele Frauen kämpfen jahrelang mit Erschöpfung, Gewichtszunahme und Zyklusstörungen – ohne zu wissen, dass eine Schilddrüsenerkrankung dahinterstecken könnte. Hashimoto ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und auch die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion in vielen Ländern. Sie betrifft Frauen deutlich öfter als Männer. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Diagnose lässt sich Hashimoto-Thyreoiditis gut behandeln und kontrollieren.

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Eine Autoimmunkrankheit greift die Schilddrüse an

Die Schilddrüse – medizinisch Thyroidea – ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich direkt unterhalb des Kehlkopfes befindet. Sie ist für die Produktion von Hormonen zuständig, die grundlegende Prozesse im Körper steuern. Dazu gehören der Knochenstoffwechsel, der Energiehaushalt, das Körperwachstum sowie die Psyche.

Bei Hashimoto-Thyreoiditis richtet sich das Immunsystem irrtümlicherweise gegen die eigene Schilddrüse – es werden Antikörper gebildet, die das Schilddrüsengewebe angreifen und infolgedessen eine chronische Entzündung auslösen. Dabei wiederum kann – abhängig von der Aktivität der Entzündungsreaktion – die Schilddrüse nach und nach zerstören. Die Drüse verkleinert sich zunehmend, verliert an Funktionsfähigkeit und produziert schließlich nicht mehr ausreichend Hormone.

Symptome – und warum die Diagnose so lange dauern kann

Im weiteren Verlauf wird immer mehr Schilddrüsengewebe zerstört – die Schilddrüse produziert zunehmend weniger Hormone. Dadurch kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen– dies passiert meist schleichend und über Jahre.
Die häufigsten Beschwerden: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit und depressive Verstimmungen.

In manchen Fällen macht sich die Erkrankung auch durch ein Enge- oder Druckgefühl im Halsbereich bemerkbar.

Wie stark und welche Beschwerden auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich. Einige Betroffene leben lange ohne merkliche Beschwerden, während andere unter einer Vielzahl von Symptomen leiden. Bei Frauen können darüber hinaus Zyklusveränderungen oder ein unerfüllter Kinderwunsch erste Hinweise auf eine gestörte Schilddrüsenfunktion sein.

Hashimoto-Thyreoiditis und Frauengesundheit

Schilddrüsenhormone beeinflussen weit mehr als nur den Stoffwechsel – sie stehen unter anderem in enger Wechselwirkung mit dem weiblichen Hormonsystem. Gerät die Schilddrüsenfunktion aus dem Gleichgewicht, kann das weitreichende Folgen haben – für den Zyklus, die Fruchtbarkeit und den Verlauf einer Schwangerschaft.

Hashimoto-Thyreoiditis und der Zyklus

Schilddrüsenhormone beeinflussen direkt die Geschlechtshormone, die den Menstruationszyklus steuern, allen voran Östrogen und Progesteron, die im weiblichen Zyklus die Hauptrolle spielen. Östrogen steuert die erste Zyklusphase, fördert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und ist maßgeblich am Eisprung beteiligt. Progesteron – auch Gelbkörperhormon genannt – übernimmt in der zweiten Zyklusphase: Es bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor und sorgt für deren Stabilität. Ein Mangel eines dieser beiden Hormone kann den Zyklus aus dem Gleichgewicht bringen – mit spürbaren Folgen für Wohlbefinden und Fruchtbarkeit.

Bei Hashimoto-Thyreoiditis ist genau dieses Gleichgewicht gefährdet. Gerät die Schilddrüsenfunktion aus dem Gleichgewicht, kann das den Menstruationszyklus erheblich beeinträchtigen – sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion kann zu Zyklusunregelmäßigkeiten führen. Bei Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt sich die Unterfunktion meist schleichend und bleibt lange unbemerkt. Das kann zu einem unregelmäßigen oder verzögerten Zyklus führen. Der Eisprung kann aber auch ganz ausbleiben. Dies lässt sich in der Regel medikamentös gut zu behandeln – durch die gezielte Einnahme von Schilddrüsenhormonen.

Hashimoto-Thyreoiditis und Kinderwunsch

Hashimoto-Thyreoiditis und Fruchtbarkeit – ein Thema, das viele Frauen betrifft. Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Bei unerfülltem Kinderwunsch sollte daher stets auch eine Schilddrüsenuntersuchung in Betracht gezogen werden. Hashimoto-Thyreoiditis schließt eine Schwangerschaft nicht aus, kann aber je nach Verlauf die Chancen darauf beeinflussen. Grund dafür ist die direkte Wechselwirkung zwischen Schilddrüsenhormonen und den Geschlechtshormonen Östrogen und Progesteron. Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann den Zyklus beeinträchtigen, den Eisprung verzögern oder sogar verhindern. Dies lässt sich in der Regel medikamentös gut zu behandeln – durch die gezielte Einnahme von Schilddrüsenhormonen. werden.

Diagnostik

Die erste Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung ist die HausärztIn – bei Zyklusstörungen oder unerfülltem Kinderwunsch empfiehlt sich zusätzlich ein Gespräch mit der GynäkologIn. Die Diagnostik beginnt in der Regel mit einem Blutbild, um die Werte TSH, fT4 und fT3 zu bestimmen.

Hormon TSH

Das Hormon TSH, auch Thyrotropin genannt, wird in der Hirnanhangdrüse gebildet und gelangt über das Blut zur Schilddrüse. TSH stimuliert die Schilddrüse, die Hormone T3 und T4 zu bilden. Sind zu viele Schilddrüsenhormone im Blut, reduziert die Hirnanhangdrüse die TSH-Produktion – sind es zu wenige, wird mehr TSH ausgeschüttet.

Der TSH-Wert gilt als Indikator, wie gut die Schilddrüse arbeitet. Liegt er im Normbereich, gilt die Schilddrüsenfunktion als unauffällig. Wenn der Wert außerhalb der Norm liegt, deutet das auf eine Schilddrüsenunter- oder Überfunktion hin. Bestimmt wird dieser durch eine einfache Blutabnahme aus der Armvene.

Hormon T4

T4, auch Thyroxin genannt, ist das Speicherhormon der Schilddrüse und zählt zu den wichtigsten Schilddrüsenhormonen. Es enthält vier Jodatome und wird in großen Mengen produziert. Eine gesunde Schilddrüse gibt täglich ungefähr 80 bis 100 Mikrogramm T4 ins Blut ab. T4 fungiert als Speicherform und wird erst bei Bedarf in das aktive T3 umgewandelt.

Hormon T3

T3 – auch Trijodthyronin genannt – enthält drei Jodatome und ist die biologisch aktive, schnell wirkende Form der Schilddrüsenhormone. T3 greift direkt an die körpereigenen Zellen der Organe (z.B. Leber, Muskel – aber auch Fortpflanzungsorgane) und steuert den Energiehaushalt, den Stoffwechsel und viele weitere lebenswichtige Prozesse. Bei einer gesunden Schilddrüse werden in etwa 10 bis 50 Mikrogramm T3 ins Blut abgegeben.

Sind die Blutwerte auffällig, ist eine weitere Abklärung notwendig. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse zeigt, ob strukturelle Veränderungen vorliegen. Bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis empfiehlt sich die Weiterbehandlung durch eine EndokrinologIn, die SpezialistIn für Hormonsystem und Schilddrüse.

Sonographie (Ultraschall) der Schilddrüse

Die Sonographie, oder auch Ultraschall, ist eine der wichtigsten Untersuchungen bei Hashimoto-Thyreoiditis. Dies verläuft schmerz- und strahlungsfrei. Hochfrequente Ultraschallwellen werden über einen Schallkopf in den Körper geschickt und je nachdem wie stark diese absorbiert oder reflektiert werden, können Körperstrukturen dargestellt werden. Dies erlaubt auch die Beurteilung von Größe, Struktur der Schilddrüse sowie auch Veränderung des Schilddrüsengewebes. Die Untersuchung ist unkompliziert, nicht invasiv und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Bei Hashimoto-Thyreoiditis zeigt der Ultraschall typischerweise ein verändertes Gewebebild: Eine echoarme, inhomogene Gewebestruktur ist das typische Ultraschallbild bei Hashimoto-Thyreoiditis. Schilddrüsenknoten sind häufig und in den meisten Fällen gutartig, können aber auf dem Boden der chronischen Entzündungsreaktion häufiger entarten und sollten daher regelmäßig kontrolliert werden.

Behandlung von Hashimoto-Thyreoiditis

Hashimoto lässt sich nicht heilen – wohl aber sehr gut behandeln. Die Therapie ist individuell und setzt auf mehreren Ebenen an: Medikamente gleichen den Hormonmangel aus, während eine gesunde Ernährung und Lebensstil den Krankheitsverlauf zusätzlich positiv beeinflussen können.

Levothyroxin (L-Thyroxin)

Führt die chronische Entzündung zu einem Hormonmangel, kann das fehlende T4 medikamentös ersetzt werden. Der Wirkstoff Levothyroxin wird im Körper in das aktive Schilddrüsenhormon T3 umgewandelt und bringt die Hormonwerte wieder auf ein normales Niveau. Richtig dosiert ist Levothyroxin gut verträglich – Nebenwirkungen treten kaum auf. Die Dosis wird individuell anhand der Schilddrüsenwerte und des Körpergewichts festgelegt und in den ersten Wochen regelmäßig überprüft. Später reicht meist eine jährliche Kontrolle aus. In bestimmten Fällen – etwa bei nachgewiesenen Antikörpern und einer noch latenten Unterfunktion – kann eine frühzeitige Behandlung sinnvoll sein.

Ernährung

Es gibt keine strikten Ernährungsregeln bei Hashimoto – aber bestimmte Nährstoffe und Ernährungsgewohnheiten können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Jod

Jod ist essenziell für die Produktion von Schilddrüsenhormonen – ein Mangel ist ebenso problematisch wie ein Übermaß. Bei Hashimoto kann eine übermäßige Jodzufuhr die Autoimmunreaktion verstärken und die Bildung von TPO-Antikörpern begünstigen. PatientInnen mit Hashimoto wird daher geraten, auf hochdosierte Jodpräparate und sehr jodreiche Lebensmittel wie Algen zu verzichten.

Selen

Als Antioxidans kann Selen Entzündungsprozesse im Körper mildern – auch in der Schilddrüse. Einige Studien belegen, dass Selen die TPO-Antikörper nachweislich senken kann – ob das aber tatsächlich den Krankheitsverlauf verbessert oder die benötigte Hormondosis reduziert, ist unter ExpertInnen umstritten und wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Hashimoto früh erkennen – Lebensqualität zurückgewinnen.

Bei SANTÉ FEMME werden Sie von erfahrenen Fachärztinnen begleitet. Unsere Spezialistin für Schilddrüsenerkrankungen und Nuklearmedizin, Dr. Asha Leisser, begleitet Sie von der Diagnose bis zur individuellen Behandlung – einfühlsam, präzise und auf dem neuesten Stand der Medizin.

Ihren Termin bei SANTÉ FEMME können Sie unter +43 1 394 17 17 oder über die Online-Terminvereinbarung buchen.

 

Dr. Asha Leisser, Ärztin für Schilddrüse und Osteoporose Wien

Dr. Leisser