Juni ist Pride Month – ein Monat der Solidarität, der Sichtbarkeit und der Gemeinschaft. Aber Sichtbarkeit endet nicht nach der letzten Parade. Sie beginnt auch dort, wo sie oft fehlt: im Gesundheitssystem.
Lesbische und bisexuelle Frauen brauchen dieselbe gynäkologische Versorgung wie alle anderen Frauen. Und doch stoßen viele im Gesundheitssystem auf Barrieren – strukturelle, kommunikative und manchmal auch medizinische. Das beginnt bei Aufklärungsgesprächen, die Heterosexualität automatisch voraussetzen. Eine scheinbar neutrale Frage wie „Verhüten Sie?” outet lesbische Frauen, sobald sie ehrlich antworten. Safer-Sex-Informationen richten sich fast ausschließlich an heterosexuelle Paare – lesbische und bisexuelle Frauen kommen darin kaum vor.
Die Zahlen sprechen für sich: 18 Prozent der lesbischen Befragten wurden laut EU-Grundrechteagentur zuletzt bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten diskriminiert – und über 20 Prozent sprechen beim Fachpersonal nie offen über ihr Leben und ihre Beziehungen. Bei SANTÉ FEMME ist jede Frau willkommen – mit Respekt für jede Lebensrealität.
lesbische gesundheit bleibt oft unsichtbar
In der öffentlichen Gesundheitskommunikation wird Safer Sex fast ausschließlich mit Kondomen verbunden – für lesbische Frauen gibt es kaum spezifische Informationen, obwohl auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Schutz wichtig und notwendig ist. Die Annahme, dass beim Sex zwischen Frauen keine Ansteckungsgefahr besteht, hält sich hartnäckig – und führt dazu, dass Schutzmaßnahmen seltener eingesetzt und gynäkologische Vorsorgetermine weniger regelmäßig wahrgenommen werden. Auch in der Ordination selbst zeigt sich diese Unsichtbarkeit: Fragen nach männlichen Sexualpartnern sind Standardfragen, die, die Lebensrealität lesbischer Frauen berücksichtigen, die Ausnahme. Das kann Spuren hinterlassen.
Repräsentation beginnt damit, dass Menschen sich in Gesundheitsinformationen wiederfinden. Wer in Broschüren, Aufklärungsgesprächen und Kampagnen nicht vorkommt, fühlt sich nicht gemeint – und stellt keine Fragen. Das ist keine Kleinigkeit: Fehlende Sichtbarkeit führt zu fehlenden Informationen, und fehlende Informationen gefährden die Gesundheit.
Warum gynäkologische Vorsorge für alle Frauen wichtig ist
Ein weit verbreiteter Irrglaube: Lesbische Frauen bräuchten keine regelmäßige gynäkologische Vorsorge – schließlich haben sie keinen Sex mit Männern. Doch das stimmt nicht. HPV, das Humane Papillomavirus, kann auch zwischen Frauen übertragen werden – und ist eine der häufigsten Ursachen für Gebärmutterhalskrebs. Auch andere sexuell übertragbare Infektionen wie Herpes, bakterielle Vaginose oder Chlamydien sind nicht an heterosexuelle Kontakte gebunden.
Viele lesbische und bisexuelle Frauen meiden gynäkologische Untersuchungen – nicht, weil sie ihre Gesundheit vernachlässigen, sondern weil sie sich im System nicht wiederfinden. Dabei sind PAP-Test, HPV-Diagnostik und Brustuntersuchung enorm wichtig. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen senken das Risiko, Erkrankungen erst in einem fortgeschrittenen Stadium zu erkennen – das gilt für lesbische Frauen genauso wie für alle anderen. Die gynäkologische Jahresuntersuchung ist deshalb keine Option, sondern eine Empfehlung, die für alle Frauen gilt – unabhängig davon, mit wem sie schlafen
Safer Sex für lesbische und bisexuelle Frauen
Ein Hilfsmittel wie das Lecktuch wird in Gesprächen über Safer Sex selten erwähnt, obwohl es ein einfaches und effektives Mittel ist, um beim Oralsex Infektionen zu vermeiden. Das Lecktuch – ein dünnes, flexibles Stück aus Latex oder Polyurethan – dient als Barriere und verhindert den direkten Kontakt von Schleimhäuten. Es schützt beim oral-vaginalen und oral-analen Kontakt vor der Übertragung von Infektionen wie HPV, Herpes, Chlamydien oder Gonorrhoe. Es nimmt kaum Platz ein, lässt sich unauffällig verstauen und ist jederzeit einsatzbereit. Viele Paare berichten, dass es nach kurzer Zeit so selbstverständlich geworden ist wie das Vorhandensein von Kondomen in heterosexuellen Beziehungen.
Safer Sex wird selten in Bezug auf Oralverkehr angesprochen – dabei ist gerade die Lecktuch-Anwendung ein einfacher und effektiver Weg, um Schutz und Nähe miteinander zu verbinden. Lecktücher sind in Apotheken und Online-Shops erhältlich – manche Hersteller bieten sie sogar in verschiedenen Aromen an, was die Anwendung zusätzlich angenehm macht.
Das Lecktuch entfaltet seinen Schutz nur dann vollständig, wenn es während des gesamten Oralverkehrs korrekt positioniert bleibt. Es sollte nicht verrutschen und nach der Verwendung direkt entsorgt werden – es ist nicht für den Mehrfachgebrauch geeignet. Das klingt im ersten Moment umständlicher als es ist: Viele Paare integrieren das Lecktuch ganz bewusst in ihre Zärtlichkeiten, indem sie es gemeinsam anlegen. So wird es nicht zum störenden Element, sondern zu einem selbstverständlichen Teil des gemeinsamen Momentes – genauso wie es Kondome in heterosexuellen Beziehungen längst sind.
HPV überträgt sich durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt – penetrativer Sex ist dafür nicht notwendig. Auch bei lesbischen Sexualkontakten besteht daher ein Übertragungsrisiko. Die HPV-Impfung schützt unabhängig von der sexuellen Orientierung und wird für alle Frauen empfohlen. Wenn bisher noch keine Impfung stattgefunden hat, sollte das beim nächsten Gynäkologinnen-Termin aktiv angesprochen werden.
Auch bei der gemeinsamen Nutzung von Sexspielzeug empfiehlt sich die Verwendung von Kondomen sowie eine gründliche Reinigung zwischen der Nutzung. Safer Sex bedeutet dabei nicht nur Schutz vor Infektionen – sondern auch mehr Gelassenheit und Vertrauen in der Beziehung. Wer weiß, dass das Risiko minimiert ist, kann sich leichter fallen lassen und die Intimität intensiver genießen.
Bisexuelle Frauen sollten je nach Art ihrer Sexualkontakte unterschiedliche Schutzmaßnahmen kennen – sowohl mit männlichen als auch mit weiblichen Partnerinnen und Partnern. Ihre Risiken variieren je nach Beziehung und Kontakt – umso wichtiger ist eine offene Beratung, die beide Lebensrealitäten berücksichtigt.
Bisexuelle Frauen – doppelt unsichtbar
Bisexuelle Frauen haben abhängig von ihrer aktuellen Beziehung unterschiedliche Risikoprofile. Das betrifft sowohl die Wahl der Schutzmaßnahmen als auch die relevanten Vorsorgeuntersuchungen. Eine gynäkologische Beratung, die beide Lebensrealitäten berücksichtigt, ist deshalb besonders wertvoll. Hinzu kommt, dass bisexuelle Frauen auch innerhalb der LGBTIQ+-Community oft unsichtbar bleiben – weder in heterosexuellen noch in lesbischen Gesundheitsressourcen vollständig abgebildet. Studien zeigen, dass bisexuelle Frauen im Vergleich sowohl zu heterosexuellen als auch zu lesbischen Frauen die schlechtesten Gesundheitsergebnisse aufweisen – ein Hinweis darauf, wie groß die Versorgungslücke tatsächlich ist.
Diskriminierung ist keine abstrakte Erfahrung – sie hat konkrete gesundheitliche Folgen. Wer im System auf Ablehnung oder Unverständnis gestoßen ist, nimmt Vorsorge und Versorgung seltener in Anspruch. Laut dem österreichischen LGBTIQ+ Gesundheitsbericht – dem ersten dieser Art in Österreich, veröffentlicht 2023 – bewerten LGBTIQ+-Personen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter als die Gesamtbevölkerung. 11 % stufen ihn als schlecht oder sehr schlecht ein, 29% als mittelmäßig – in der Gesamtbevölkerung sind es sechs bzw. 19%.
Psychische Gesundheit – ein unterschätztes Thema
Körperliche und psychische Gesundheit sind nicht voneinander zu trennen. Die psychische Belastung durch Diskriminierung und Unsichtbarkeit ist real und messbar – lesbische und bisexuelle Frauen sind nachweislich häufiger von Depressionen und Angststörungen betroffen als die Gesamtbevölkerung. Das ist keine Frage der Identität, sondern eine direkte Folge von Ausgrenzung. Ein offenes Gespräch mit einer Ärztin, die zuhört und versteht, kann dabei mehr bewirken als es auf den ersten Blick scheint – es signalisiert: Du bist hier richtig. Deine Lebensrealität wird gesehen.
Besonders junge Frauen, die in Schule, Familie oder Freundeskreis wenig Akzeptanz erfahren haben, kommen oft mit Zurückhaltung oder Scham. Was hilft, sind keine Aufkleber an der Tür – sondern echte Kompetenz, offene Kommunikation und ein Team, das ohne Annahmen arbeitet und wirklich zuhört.
Was Sie bei SANTÉ FEMME erwartet
Bei SANTÉ FEMME beginnt jede Untersuchung mit einem ausführlichen Gespräch. Wir fragen offen und ohne Annahmen – nach Ihrer Lebenssituation, Ihren Partnerinnen oder Partnern, Ihren Fragen und Wünschen. Dabei ist es uns wichtig, dass Sie sich von Anfang an wohlfühlen – ohne das Gefühl, erklären oder rechtfertigen zu müssen, wer Sie sind.
Die gynäkologische Untersuchung selbst – Pap-Test, HPV-Diagnostik, Ultraschall, Brustuntersuchung – ist für alle Frauen gleich. Was sich unterscheidet, sind die Fragen, die dabei relevant sein können: Welche Schutzmaßnahmen werden verwendet? Gibt es eine Partnerin oder einen Partner? Besteht ein Kinderwunsch? Bei SANTÉ FEMME bekommen diese Fragen Raum – ohne Wertung, ohne Überraschung.
Wer seine sexuelle Orientierung in der Ordination nicht ansprechen möchte, muss das nicht. Wer es möchte, kann es – und wird gehört.
Denn ein sensibles und geschultes Team im Gesundheitsbereich hat für LGBTIQ+Personen eine hohe Bedeutung – das bestätigt auch der österreichische LGBTIQ+ Gesundheitsbericht 2022. Wir verstehen das als Auftrag.
Ein sicherer Ort – nicht nur im Juni
Gynäkologische Gesundheit kennt keine sexuelle Orientierung. Vorsorge, Beratung, Verhütung, Kinderwunsch, Hormonstatus – all das sind Themen, die lesbische und bisexuelle Frauen genauso beschäftigen wie alle anderen. Was sich unterscheidet, ist die Art der Fragen. Und die verdienen Raum, Verständnis und eine Ärztin, die zuhört.
Bei SANTÉ FEMME sind Sie richtig – nicht nur im Juni. 🏳️🌈
Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin einfach online über unseren Terminkalendar oder telefonisch unter +43 1 394 17 17









