Hirsutismus
Hirsutismus – Wenn Haarwuchs zur Belastung wird: Ein gepflegtes Äußeres trägt maßgeblich zum persönlichen Wohlbefinden bei. Doch wenn sich plötzlich dunkle, dicke Haare an Stellen zeigen, die typischerweise eher bei Männern behaart sind – etwa im Gesicht, an der Brust oder am Rücken – empfinden viele Frauen dies als sehr belastend. Diese Form der verstärkten Körperbehaarung wird medizinisch als Hirsutismus bezeichnet. Sie ist ein häufiges Symptom mit vielfältigen Ursachen, das oft auf eine hormonelle Störung hinweist – insbesondere auf eine Hyperandrogenämie, also einen Überschuss männlicher Hormone im weiblichen Körper.
Erfahren Sie in diesem SANTÉ FEMME-Artikel über die verschiedenen Ursachen von Hirsutismus und die möglichen Behandlungsmethoden.
Was ist Hirsutismus?
Hirsutismus beschreibt eine vermehrte Behaarung bei Frauen in einem männlichen Verteilungsmuster. Betroffene bemerken häufig einen verstärkten Haarwuchs an Oberlippe, Kinn, Brust, Bauch, Rücken oder Oberschenkeln. Es handelt sich dabei um sogenanntes Terminalhaar – also kräftiges, pigmentiertes Haar, wie es normalerweise an den Kopfhaaren oder in der Schamregion vorkommt.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Hypertrichose, einer allgemeinen Zunahme der Körperbehaarung, die nicht zwangsläufig einem männlichen Muster folgt und andere Ursachen haben kann.
Ursachen von Hirsutismus
In den meisten Fällen liegt dem Hirsutismus eine hormonelle Störung zugrunde. Die wichtigste hormonelle Ursache ist ein Überschuss an Androgenen – männlichen Sexualhormonen, die natürlicherweise auch im weiblichen Körper in geringen Mengen vorkommen. Produziert werden diese Hormone vor allem in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde.
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Hyperandrogenämie – der häufigste Auslöser
Eine Hyperandrogenämie liegt dann vor, wenn der Spiegel männlicher Hormone im Blut erhöht ist. Dieser Zustand ist in bis zu 80 % der Fälle für den Hirsutismus verantwortlich. Die häufigsten Ursachen für eine Hyperandrogenämie sind:
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Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
Das PCOS ist die häufigste Ursache für Hirsutismus bei Frauen im gebärfähigen Alter. Es ist gekennzeichnet durch:
- Zyklusstörungen oder ausbleibende Regelblutungen
- Erhöhte Androgenspiegel (Hyperandrogenämie)
- Typische Symptome wie Akne, Haarausfall, Hirsutismus
- Zystenartige Veränderungen an den Eierstöcken (nicht zwingend erforderlich zur Diagnose)
- Häufig: Schwierigkeiten beim Schwangerwerden
Die genauen Ursachen des PCOS sind komplex und noch nicht vollständig geklärt, vermutlich spielen genetische und metabolische Faktoren (z. B. Insulinresistenz) eine zentrale Rolle.
Erfahren Sie mehr über PCOS in unserem Blogartikel über die unterschiedlichen Arten des polyzystischen Ovarialsyndroms.
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Androgenproduzierende Tumoren
Sehr selten, aber klinisch bedeutsam: Tumoren der Eierstöcke oder Nebennieren, die große Mengen Androgene produzieren. Hinweise auf eine solche Ursache sind ein plötzlich einsetzender, schnell fortschreitender Hirsutismus und zusätzliche maskulinisierende Merkmale wie eine tiefere Stimme, verstärkter Muskelaufbau oder eine Vergrößerung der Klitoris. In solchen Fällen ist eine rasche Abklärung besonders wichtig.
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Spätform der angeborenen adrenalen Hyperplasie (late onset CAH)
Bei dieser vererbten Stoffwechselstörung liegt ein Enzymdefekt (meist 21-Hydroxylase-Mangel) vor, wodurch die Nebennieren vermehrt Androgene bilden. Die milde Spätform kann erst im Jugend- oder Erwachsenenalter auffallen – typischerweise durch Hirsutismus, Akne oder Zyklusstörungen.
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Cushing-Syndrom
Das Cushing-Syndrom entsteht durch eine chronisch erhöhte Produktion von Cortisol, entweder durch einen Tumor der Nebennieren oder durch eine medikamentöse Therapie mit Kortikosteroiden. Auch hier kann es zu Hirsutismus kommen, begleitet von Symptomen wie Stammfettsucht, Mondgesicht, Hautveränderungen und Osteoporose.
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Medikamenteninduzierter Hirsutismus
Einige Medikamente können den Androgenspiegel direkt oder indirekt beeinflussen. Dazu gehören:
- Anabole Steroide
- Testosteronpräparate
- Ciclosporin
- Minoxidil
- Danazol
- Bestimmte Kortikosteroide
Sollte ein Zusammenhang mit der Medikation bestehen, ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin sinnvoll – ein selbstständiges Absetzen wird nicht empfohlen.
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Idiopathischer Hirsutismus
In etwa 5–15 % der Fälle lässt sich keine hormonelle Ursache feststellen. Man spricht dann von idiopathischem Hirsutismus. Der Zyklus ist meist regelmäßig, und auch die Androgenspiegel liegen im Normbereich. Vermutlich besteht hier eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber normalen Androgenspiegeln.
Diagnose: Wie wird Hirsutismus medizinisch abgeklärt?
Wenn Sie bei sich einen ungewöhnlichen oder zunehmenden Haarwuchs feststellen, ist eine gynäkologische oder endokrinologische Abklärung sinnvoll. Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:
- Ärztliches Gespräch (Anamnese)
Wichtige Fragen sind:
- Wann begann der verstärkte Haarwuchs?
- Entwickelte sich der Hirsutismus langsam oder plötzlich?
- Bestehen Zyklusstörungen oder Kinderwunsch?
- Nehmen Sie Medikamente ein?
- Gibt es weitere Symptome wie Akne, Haarausfall oder Gewichtszunahme?
- Körperliche Untersuchung
Hierbei wird das Haarverteilungsmuster beurteilt. Der sogenannte Ferriman-Gallwey-Score ist ein standardisiertes System, um den Schweregrad des Hirsutismus zu erfassen.
- Hormonlabor
Folgende Werte können erhoben werden:
- Gesamttestosteron und freies Testosteron
- DHEA-Sulfat (DHEAS): Hinweis auf Nebennierenursache
- Androstendion
- SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
- LH und FSH zur Differenzierung von PCOS
- 17-OH-Progesteron zum Ausschluss einer adrenalen Hyperplasie
- Prolaktin und ggf. TSH, um andere endokrine Ursachen auszuschließen
- Bildgebung
- Vaginaler Ultraschall der Eierstöcke zur Beurteilung möglicher Zysten (z. B. bei PCOS)
- CT oder MRT bei Verdacht auf Tumoren in Nebennieren oder Eierstöcken

Behandlung: Was hilft wirklich?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und dem persönlichen Leidensdruck. Ziel ist es, die hormonellen Auslöser zu kontrollieren und das Haarwachstum zu reduzieren.
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Kosmetische Maßnahmen
Unabhängig von der Ursache sind ästhetische Methoden zur Haarentfernung meist die erste Maßnahme:
- Rasieren, Zupfen, Wachsen oder Epilieren
- Enthaarungscremes
- Lasertherapie oder IPL (Intense Pulsed Light): effektiv, aber kostspielig – mehrere Sitzungen nötig
- Elektrolyse: dauerhaft wirksam, insbesondere bei kleinen Flächen
Diese Maßnahmen beseitigen jedoch nur die Symptome – nicht die hormonelle Ursache.
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Hormonelle Therapie
Ziel ist die Reduktion der Androgenspiegel oder die Blockade ihrer Wirkung. Die Therapie erfordert Geduld – erste Ergebnisse zeigen sich meist nach 6–12 Monaten.
Antiandrogene Kombinationspille
Orale Kontrazeptiva mit antiandrogener Wirkung sind die Standardtherapie:
- Cyproteronacetat (z. B. in Diane 35®)
- Drospirenon
- Dienogest
Diese Präparate hemmen die Androgenproduktion und steigern das SHBG, das freie Androgene bindet.
Reine Antiandrogene (Off-Label-Use)
- Spironolacton: hemmt die Androgenwirkung an den Haarfollikeln
- Finasterid: blockiert die Umwandlung von Testosteron in das wirksamere Dihydrotestosteron (DHT)
- Flutamid: heute kaum noch eingesetzt wegen Lebernebenwirkungen
Wichtig: Antiandrogene dürfen nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden – es besteht die Gefahr einer Vermännlichung (Virilisierung) weiblicher Föten. Daher wird parallel stets ein sicherer Empfängnisschutz empfohlen.
Weitere Therapieansätze
- Metformin: Wird bei PCOS eingesetzt, insbesondere wenn eine Insulinresistenz vorliegt. Kann auch den Hirsutismus günstig beeinflussen.
- Gewichtsreduktion: Insbesondere bei übergewichtigen PCOS-Patientinnen kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme die Androgenspiegel senken.
- Kortisontherapie: bei adrenaler Hyperplasie zur Hemmung der übermäßigen Androgenproduktion.
Psychische Belastung ernst nehmen
Hirsutismus ist nicht nur ein ästhetisches Problem – er kann tiefgreifende Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden haben.
Viele betroffene Frauen leiden emotional stark unter den sichtbaren Veränderungen. Schamgefühle, ein vermindertes Selbstwertgefühl, depressive Verstimmungen oder sogar sozialer Rückzug sind leider keine Seltenheit. Die Angst vor Ablehnung oder unangenehmen Blicken kann dazu führen, dass soziale Kontakte gemieden und alltägliche Situationen wie der Besuch im Schwimmbad oder das Tragen bestimmter Kleidung zur Belastung werden.
Neben der medizinischen Abklärung und Behandlung kann auch eine begleitende psychologische Unterstützung hilfreich sein. Gespräche mit erfahrenen Therapeutinnen/Therapeuten oder der Austausch in Selbsthilfegruppen ermöglichen es vielen Frauen, besser mit der Situation umzugehen, emotionale Stärke zu entwickeln und sich selbst wieder mit mehr Mitgefühl zu begegnen.
Wann sollte ich Rat suchen?
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn:
- sich plötzlich dunkle, kräftige Haare im Gesicht oder am Körper bilden
- der Haarwuchs zunimmt oder sich ungewöhnlich schnell entwickelt
- zusätzlich Zyklusstörungen, Akne oder unerfüllter Kinderwunsch auftreten
- eine familiäre Vorbelastung mit PCOS oder adrenaler Hyperplasie besteht
- Sie stark unter dem kosmetischen Problem leiden
Je früher die Ursache abgeklärt wird, desto besser kann eine geeignete Therapie begonnen werden.
Hirsutismus ist behandelbar
Auch wenn verstärkter Haarwuchs bei Frauen mit Scham behaftet ist – Hirsutismus ist in den meisten Fällen behandelbar. Durch eine gezielte Diagnostik und individuell abgestimmte Therapie lassen sich sowohl die hormonellen Ursachen als auch die sichtbaren Symptome gut kontrollieren. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen.
Sie sind nicht allein – und es gibt Hilfe.
Hirsutismus behandeln Wien
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