Die Brust ist für viele Menschen weit mehr als ein Teil ihres Körpers – sie ist Symbol für Weiblichkeit, Identität, Mutterschaft und Attraktivität. Der Verlust der Brust im Rahmen einer Mastektomie kann daher tiefgreifend in die körperliche und seelische Integrität eingreifen. Gleichzeitig kann die Entfernung des Brustdrüsengewebes für andere Menschen, wie transmaskuline Personen, eine Befreiung und einen Schritt in ein authentischeres Leben bedeuten.
Dieser Blogbeitrag möchte Ihnen ein umfassendes Verständnis darüber geben, was eine Mastektomie bedeutet – medizinisch, chirurgisch und psychologisch. Sie erfahren, welche Techniken zur Verfügung stehen, wie der Ablauf gestaltet ist, welche Möglichkeiten zur Rekonstruktion bestehen und wie der Weg nach der Operation gestaltet werden kann, um Heilung und Wohlbefinden zu fördern.
Die medizinischen Grundlagen der Mastektomie
Die Mastektomie ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Brustdrüsengewebe vollständig oder teilweise entfernt wird. Sie wird aus verschiedenen Gründen durchgeführt:
- Onkologische Indikationen: Bei Brustkrebs kann die Mastektomie notwendig werden, wenn ein großer Tumor vorliegt, mehrere Tumorherde in der Brust verteilt sind oder die Patientin keine Strahlentherapie wünscht oder diese nicht verträgt. Manchmal wird sie auch dann erwogen, wenn die brusterhaltende Therapie technisch nicht möglich ist oder ein hohes Rezidivrisiko besteht.
- Risikoreduzierend: Bei Menschen mit genetischer Prädisposition, wie Mutationen in den BRCA1- oder BRCA2-Genen, kann eine prophylaktische Mastektomie das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erheblich senken. Diese Entscheidung wird individuell unter Berücksichtigung von Alter, Familienplanung, psychischen und körperlichen Aspekten getroffen.
- Geschlechtsangleichende Operation: Für transmaskuline Personen kann die Entfernung des Brustdrüsengewebes ein essenzieller Schritt in der geschlechtsangleichenden Behandlung sein, um einen maskulinen Brustkorb zu erhalten und Dysphorie zu reduzieren.
Die Mastektomie ist also kein einheitlicher Eingriff, sondern wird in Abhängigkeit von der individuellen Indikation und den anatomischen Gegebenheiten in unterschiedlichen Techniken durchgeführt.
Formen der Mastektomie im Überblick
Einfache (totale) Mastektomie
Bei dieser Methode wird das gesamte Brustdrüsengewebe einschließlich der Brustwarze (Mamille) und des Warzenhofs (Areola) entfernt. Die Haut über der Brust wird meist weitgehend erhalten, um die Wundheilung zu erleichtern oder eine spätere Rekonstruktion zu ermöglichen.
Modifizierte radikale Mastektomie
Neben der Entfernung der gesamten Brust wird auch das Lymphgewebe in der Achselhöhle entfernt, um eine mögliche Ausbreitung von Tumorzellen zu verhindern oder zu kontrollieren. Die Brustmuskulatur bleibt in der Regel erhalten.
Radikale Mastektomie
Diese Form, bei der zusätzlich die Brustmuskulatur entfernt wird, wird heute nur noch selten angewendet, da sie mit einer hohen körperlichen Belastung und Funktionseinschränkung verbunden ist und in vielen Fällen keine bessere onkologische Sicherheit bietet als die modifizierte radikale Mastektomie.
Hautsparende Mastektomie (Skin-Sparing)
Hierbei wird das gesamte Brustdrüsengewebe entfernt, während ein Großteil der Haut erhalten bleibt. Lediglich Mamille und Areola werden entfernt. Diese Technik wird häufig in Kombination mit einer Sofortrekonstruktion durchgeführt, um eine möglichst natürliche Form zu erhalten.
Brustwarzenerhaltende Mastektomie (Nipple-Sparing)
Diese Technik ermöglicht den Erhalt der Haut, der Mamille und der Areola, während das darunterliegende Drüsengewebe vollständig entfernt wird. Sie eignet sich insbesondere für prophylaktische Eingriffe oder bestimmte Tumorlagen, bei denen das Risiko einer Tumorausbreitung in die Brustwarze gering ist.
Subkutane Mastektomie
Bei dieser Methode wird das Drüsengewebe entfernt, während Haut, Mamille und Areola vollständig erhalten bleiben. Sie findet vor allem in der geschlechtsangleichenden Chirurgie oder bei prophylaktischen Eingriffen Anwendung.
Die Operation
Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert je nach Technik und Rekonstruktion zwischen ein und drei Stunden. Vor der Operation erfolgt eine präzise Planung, oft gemeinsam mit plastischen Chirurg:innen, wenn eine Rekonstruktion geplant ist.
Nach der Operation werden Drainagen eingelegt, um Wundsekret abzuleiten und eine bessere Heilung zu ermöglichen. Diese werden meist nach wenigen Tagen entfernt. Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel zwischen zwei und sieben Tagen. Schmerzen nach der Operation sind individuell verschieden, können jedoch gut mit Schmerzmedikamenten behandelt werden.
Der erste Blick auf den eigenen Körper nach einer Mastektomie kann mit intensiven Gefühlen verbunden sein. Eine frühzeitige seelische Unterstützung kann hier helfen, den neuen Körper zu akzeptieren und den Heilungsprozess positiv zu gestalten.
Mögliche Komplikationen und Risiken einer Mastektomie
Jede Operation bringt Risiken mit sich, über die offen aufgeklärt werden muss:
- Infektionen und Wundheilungsstörungen: Diese können insbesondere bei Risikofaktoren wie Diabetes oder Rauchen häufiger auftreten.
- Blutergüsse und Nachblutungen: Selten notwendig sind erneute Eingriffe zur Blutstillung.
- Serombildung: Flüssigkeitsansammlungen im Operationsgebiet, die punktiert oder drainiert werden müssen.
- Narbenbildung: Die Narben verlaufen je nach Technik horizontal oder kreisförmig um die Areola und können zunächst verhärtet sein.
- Sensibilitätsstörungen: Nach einer Mastektomie kann es zu Taubheitsgefühlen im Brust- und Achselbereich kommen, die sich im Laufe der Zeit teilweise zurückbilden.
- Lymphödem: Bei Entfernung von Lymphknoten kann es zu einer Schwellung des Arms kommen, die einer speziellen Therapie bedarf.
Die individuelle Risikobewertung wird stets vor dem Eingriff besprochen, um gemeinsam die sicherste und beste Option zu wählen.
Möglichkeiten der Rekonstruktion
Brustaufbau mit Implantaten
Die Rekonstruktion mit Silikon- oder Kochsalzimplantaten ist eine bewährte Methode, um das Volumen der Brust wiederherzustellen. Sie kann direkt während der Mastektomie (Sofortrekonstruktion) oder später (sekundäre Rekonstruktion) erfolgen.
Vorteile:
- Kürzere Operationsdauer.
- Kein zusätzlicher Eingriff an einer anderen Körperstelle notwendig.
- Gute Formbarkeit.
Nachteile:
- Fremdkörpergefühl.
- Risiko einer Kapselfibrose (Verhärtung der Implantathülle).
- Eventuelle Notwendigkeit späterer Implantatwechsel.
Brustaufbau mit Eigengewebe
Die Rekonstruktion mit Eigengewebe (autologe Rekonstruktion) nutzt körpereigenes Gewebe, meist aus dem Bauchbereich (DIEP- oder TRAM-Lappen), dem Rücken (Latissimus-dorsi-Lappen) oder den Oberschenkeln.
Vorteile:
- Natürliches Aussehen und Gefühl.
- Keine Fremdkörper im Körper.
Nachteile:
- Längere Operations- und Erholungszeit.
- Narben an der Entnahmestelle.
Kombinationstechniken
In einigen Fällen wird ein Implantat mit Eigengewebe kombiniert, um ein optimales ästhetisches Ergebnis zu erzielen, insbesondere bei geringer Hautdicke nach Mastektomie.
Rekonstruktion der Brustwarze und Areola
Falls die Brustwarze entfernt wurde, kann diese in einem späteren Eingriff rekonstruiert werden, was für viele Patientinnen ein wichtiger Schritt für das Körperbild ist. Hierzu werden lokale Lappenplastiken verwendet, bei denen Haut im Bereich der neuen Brust genutzt wird, um eine erhabene Struktur zu formen. Auch sogenannte FixNipTM können dabei zum Einsatz kommen.
Zur optischen Wiederherstellung kann anschließend eine Tätowierung (Tattooing) durchgeführt werden, die Farbe und Struktur der Areola und Mamille nachahmt. Diese Techniken können auch in Kombination erfolgen, um ein möglichst natürliches Ergebnis zu erreichen.
Unsere Gynäkologin und Senologin Dr. Carmen Leser hat eine abgeschlossene Tätowier-Ausbildung und ist auf die optische Rekonstruktion von Brustwarzen spezialisiert.
Nachsorge – Heilung fördern, Identität stärken
Die Nachsorge nach einer Mastektomie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie umfasst:
- Wundpflege und Kontrolle: Regelmäßige Untersuchungen zur Kontrolle der Heilung und zur frühzeitigen Erkennung von Komplikationen.
- Narbenpflege: Nach Abheilung sind Massagen, Silikonpflaster und Cremes hilfreich, um die Narben weich und elastisch zu halten.
- Physiotherapie: Übungen zur Erhaltung der Beweglichkeit im Schulterbereich und zur Linderung von Spannungsschmerzen.
- Lymphödemprophylaxe: Anleitung zur Vermeidung von Überlastungen und ggf. Beginn einer manuellen Lymphdrainage.
- Psychologische Unterstützung: Gespräche mit Psycholog:innen oder in Selbsthilfegruppen können helfen, die körperlichen und emotionalen Veränderungen zu verarbeiten.
- Onkologische Nachsorge: Bei onkologischen Indikationen erfolgt eine regelmäßige Kontrolle beim behandelnden Facharzt, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.

Möglichkeiten der Narbenkorrektur
Narben, die sich verdicken, schmerzen oder ästhetisch als störend empfunden werden, können korrigiert werden. Dies kann durch folgende Maßnahmen erfolgen:
- Narbenmassagen und Silikonbehandlungen.
- Kortisoninjektionen: Bei hypertrophen Narben oder Keloiden.
- Lasertherapie: Zur Verfeinerung der Narbenstruktur.
- Chirurgische Narbenkorrektur: Zur Neumodellierung störender Narben.
Diese Maßnahmen werden individuell geplant und oft erst mehrere Monate nach der Operation durchgeführt, wenn die Narbenreifung abgeschlossen ist.
Mastektomie in der geschlechtsangleichenden Chirurgie
Für transmaskuline Personen kann eine Mastektomie der entscheidende Schritt in der geschlechtsangleichenden Behandlung sein. Ziel ist es, einen flachen, maskulinen Brustkorb zu schaffen. Die Techniken werden individuell angepasst:
- Periareoläre Technik: Geeignet bei kleiner Brust und elastischer Haut, Schnitt um die Areola.
- Double-Incision-Technik mit freier Nippeltransplantation: Bei größerer Brust, Entfernung von Haut und Drüsengewebe mit freier Versetzung der Brustwarze.
- Narbenführung: So unauffällig wie möglich, häufig horizontal unterhalb der Brust.
Nach der Operation wird eine Kompressionsweste getragen, um die Heilung zu fördern und Schwellungen zu reduzieren. Für viele Betroffene bedeutet dieser Eingriff eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität und eine Reduktion von Gender-Dysphorie.
Mastektomie als medizinischer und persönlicher Wendepunkt
Die Entscheidung für eine Mastektomie ist ein bedeutender Schritt, der nicht nur medizinische, sondern auch emotionale, soziale und ästhetische Aspekte umfasst. Moderne Techniken der Mastektomie und der Brustrekonstruktion bieten die Möglichkeit, die Lebensqualität und das Körperbild trotz eines solch einschneidenden Eingriffs zu erhalten oder wiederherzustellen.
Eine umfassende Aufklärung, empathische Begleitung und eine individuell abgestimmte Nachsorge sind entscheidend, um den Weg nach einer Mastektomie so sicher und unterstützend wie möglich zu gestalten. Die Möglichkeit zur Rekonstruktion mit Implantaten oder Eigengewebe, die Neuformung der Brustwarze und Maßnahmen zur Narbenkorrektur sind wichtige Bestandteile dieses Weges.
Für viele Menschen bedeutet die Mastektomie trotz aller Herausforderungen einen Neuanfang: sei es durch die Heilung einer Krebserkrankung, die Reduktion eines hohen Risikos oder die Befreiung von Gender-Dysphorie. Sie markiert nicht das Ende von Weiblichkeit oder Identität, sondern den Beginn eines neuen Kapitels, das von Gesundheit, Selbstbestimmung und einer neuen Beziehung zum eigenen Körper geprägt sein kann.
Behandlung nach Mastektomie Wien
Sie suchen nach einem kompetenten Ansprechpartner zum Thema Narbenkorrektur nach einer Mastektomie oder einer Nippel-Neuformung? Dr. Ariel E. Noltze berät Sie gerne ausführlich, er ist ein versierter plastischer Chirurg mit langjähriger Erfahrung in der rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgie. Vereinbaren Sie Ihren Beratungstermin einfach online über unseren Kalender oder telefonisch unter +43 1 394 17 17.









