Morbus Basedow & Frauengesundheit

Die Schilddrüse – medizinisch Thyroidea – ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich direkt unterhalb des Kehlkopfes befindet. Sie ist für die Produktion von Hormonen zuständig, die grundlegende Prozesse im Körper steuern. Dazu gehören der Knochenstoffwechsel, der Energiehaushalt, das Körperwachstum sowie die Psyche.

Entscheidend ist dabei die richtige Menge: Zu viele oder zu wenige Hormone können den gesamten Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen.

Bei einer Überfunktion schüttet die Schilddrüse mehr Hormone aus, als der Körper braucht – mit spürbaren Folgen für Herz, Stoffwechsel und Wohlbefinden. Die häufigste Ursache einer solchen Überfunktion ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung, die überwiegend Frauen trifft.

In diesem Beitrag erfahren Sie, was beim Morbus Basedow im Körper passiert, warum vor allem Frauen erkranken und wie sich die Überfunktion bemerkbar macht. Außerdem gehen wir auf eine mögliche Augenbeteiligung ein, erklären die Behandlungsmöglichkeiten und zeigen, worauf es rund um eine Schwangerschaft besonders ankommt.

Die Schilddrüse und ihre Hormone

Um zu verstehen, was beim Morbus Basedow aus dem Gleichgewicht gerät, lohnt sich ein kurzer Blick auf das normale Zusammenspiel der Hormone. Gesteuert vom Gehirn über die Hirnanhangdrüse, bildet die Schilddrüse die beiden Hormone (Tetrajodthyronin) T4 und (Trijodthyronin) T3.

Hormon TSH

Das Hormon TSH, auch Thyrotropin genannt, wird in der Hirnanhangdrüse gebildet und gelangt über das Blut zur Schilddrüse. TSH stimuliert die Schilddrüse, die Hormone T3 und T4 zu bilden. Sind zu viele Schilddrüsenhormone im Blut, reduziert die Hirnanhangdrüse die TSH-Produktion – sind es zu wenige, wird mehr TSH ausgeschüttet.

Der TSH-Wert gilt als Indikator, wie gut die Schilddrüse arbeitet. Liegt er im Normbereich, gilt die Schilddrüsenfunktion als unauffällig. Wenn der Wert außerhalb der Norm liegt, deutet das auf eine Schilddrüsenunter- oder Überfunktion hin. Bestimmt wird dieser durch eine einfache Blutabnahme aus der Armvene.

Hormon T4

T4, auch Thyroxin genannt, ist das Speicherhormon der Schilddrüse und zählt zu den wichtigsten Schilddrüsenhormonen. Es enthält vier Jodatome und wird in großen Mengen produziert. Eine gesunde Schilddrüse gibt täglich ungefähr 80 bis 100 Mikrogramm T4 ins Blut ab. T4 fungiert als Speicherform und wird erst bei Bedarf in das aktive T3 umgewandelt.

Hormon T3

T3 – auch Trijodthyronin genannt – enthält drei Jodatome und ist die biologisch aktive, schnell wirkende Form der Schilddrüsenhormone. T3 greift direkt an die körpereigenen Zellen der Organe (z.B. Leber, Muskel – aber auch Fortpflanzungsorgane) und steuert den Energiehaushalt, den Stoffwechsel und viele weitere lebenswichtige Prozesse. Bei einer gesunden Schilddrüse werden in etwa 10 bis 50 Mikrogramm T3 ins Blut abgegeben.

Sind die Blutwerte auffällig, ist eine weitere Abklärung notwendig. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse zeigt, ob strukturelle Veränderungen vorliegen.

Beim Morbus Basedow funktioniert diese Selbstregulation nicht mehr: Die Schilddrüse arbeitet durchgehend und produziert zu viele Hormone – unabhängig vom TSH.

Was ist Morbus Basedow?

Auslöser des Morbus Basedow sind bestimmte Antikörper, die sogenannten TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper). Sie täuschen der Schilddrüse ein Steuersignal vor und bringen sie dazu, immer mehr Schilddrüsenhormone zu bilden. Neben der eigentlichen Überfunktion zeigen sich häufig typische Begleiterscheinungen – etwa eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) oder eine Beteiligung der Augen (endokrine Orbitopathie) mit hervortretenden Augen, Druckgefühl, Doppelbildern oder Lichtempfindlichkeit.

Die Symptome einer Überfunktion sind oft das Gegenteil zu denen einer Unterfunktion: Man fühlt sich weniger schlapp als vielmehr innerlich aufgewühlt. Der beschleunigte Stoffwechsel führt zu einem erhöhten Energieverbrauch, der sich im gesamten Körper bemerkbar macht.

Behandelt wird der Morbus Basedow in erster Linie mit Tabletten, die die Neubildung der Schilddrüsenhormone hemmen – den sogenannten Thyreostatika. Gerade zu Beginn sind engmaschige Kontrollen wichtig, um die Dosis anzupassen und die sehr seltenen, unter Umständen aber gefährlichen Nebenwirkungen im Blick zu behalten. Bleibt der gewünschte Erfolg aus oder sprechen andere Gründe gegen dieses Verfahren, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen weitere Möglichkeiten – etwa die operative Entfernung der Schilddrüse oder eine Radiojodtherapie.

Warum Frauen häufiger betroffen sind?

Der Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung – und Autoimmunerkrankungen betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Warum das weibliche Immunsystem anfälliger ist, ist noch nicht abschließend geklärt; als wesentliche Einflussgrößen gelten genetische Faktoren und die weiblichen Geschlechtshormone.

Dazu durchläuft der weibliche Körper mehrere hormonelle Umbrüche – von der Pubertät über Schwangerschaft und Wochenbett bis zu den Wechseljahren. Genau in diesen Phasen macht sich eine Schilddrüsenerkrankung häufig zum ersten Mal bemerkbar oder verschlechtert sich. Wenn das Hormonsystem ohnehin in Bewegung ist, kommt auch die Schilddrüse leichter aus dem Takt – umso wichtiger, sie bei Frauen im Auge zu behalten. Typisch sind Herzrasen und Herzstolpern, Nervosität und Gereiztheit, vermehrtes Schwitzen und eine erhöhte Wärmeempfindlichkeit, Gewichtsverlust trotz gutem oder sogar gesteigertem Appetit, zitternde Hände und Schlafprobleme. Oft zeigt sich ein Leistungsabfall beim Sport oder eine schnellere Tendenz außer Atem bei Belastung zu geraten.

Häufige Symptome sind noch:

  • innere Unruhe
  • Erschöpfung
  • Angespanntheit
  • Kraftlosigkeit
  • Herzrasen
  • Schlafstörungen
  • Atemnot bei körperlicher Belastung
  • Zyklusveränderungen

Da Beschwerden wie Herzrasen, Schwitzen, Schlafstörungen, Reizbarkeit – auch in den Wechseljahren auftreten können, kann eine Überfunktion in dieser Lebensphase leicht übersehen werden oder fälschlich allein den Hormonen zugeschrieben. Ein Blick auf die Schilddrüsenwerte schafft hier Klarheit.

Behandlung des Morbus Basedow

Für die Behandlung des Morbus Basedow gibt es drei Wege: die medikamentöse Therapie, die operative Entfernung der Schilddrüse und die Radiojodtherapie. Was im Einzelfall am besten passt, richtet sich nach dem Verlauf, der Größe der Schilddrüse, einer eventuellen Augenbeteiligung, einem Kinderwunsch und Ihrer persönlichen Situation. Welcher Weg für Sie infrage kommt, besprechen wir in Ruhe gemeinsam.

 

Medikamentöse Therapie.  Die Erstbehandlung erfolgt in der Regel mit Thyreostatika – Tabletten, die die Neubildung der Schilddrüsenhormone hemmen und so die Überfunktion drosseln. Ziel ist es, hierdurch eine spontane Ausheilung der Erkrankung zu begünstigen. Gerade in der Anfangsphase sind regelmäßige Kontrollen wichtig – um die Dosis anzupassen und die sehr seltenen, unter Umständen aber gefährlichen, Nebenwirkungen im Blick zu behalten. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen klingt die Erkrankung nach einer solchen Behandlung dauerhaft ab – meist über einen Zeitraum von Monaten bis wenigen Jahren.

 

Operation. Wirken die Medikamente nicht ausreichend oder kommen sie für Sie nicht infrage, lässt sich die Schilddrüse operativ entfernen. Das hat einen klaren Vorteil: Die Überfunktion ist danach unmittelbar und endgültig behoben. Weil der Körper dann keine eigenen Schilddrüsenhormone mehr produziert, gleicht ein Schilddrüsenhormonersatzpräparat diese lebenslang aus.

 

Radiojodtherapie. Eine dritte Option ist die Radiojodtherapie. Dabei wird schwach radioaktives Jod verabreicht, das sich gezielt im überaktiven Schilddrüsengewebe anreichert und es über mehrere Wochen verkleinert. Im Anschluss kann eine dauerhafte Hormoneinnahme erforderlich sein. Da das Verfahren in Schwangerschaft und Stillzeit ausgeschlossen ist, sollte die Behandlung bei bestehendem Kinderwunsch vorausschauend geplant werden.

Schwangerschaft und Schilddrüse

Eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormonen ist sowohl für den Eintritt einer Schwangerschaft als auch für eine gesunde Entwicklung des Kindes wichtig. Besonders in der frühen Schwangerschaft ist das ungeborene Kind vollständig auf die mütterlichen Schilddrüsenhormone angewiesen.

Eine Unterfunktion muss daher adäquat ausgeglichen und die Therapie im Laufe einer Schwangerschaft regelmäßig angepasst werden. In der Regel sind engmaschige Kontrollen der Schilddrüsenwerte notwendig.

Schilddrüsenüberfunktionen treten am Beginn der Schwangerschaft häufiger auf. Hier muss zwischen der gutartig verlaufenden Überfunktion, die durch die Schwangerschaftshormone ausgelöst wird, und der Überfunktion durch Morbus Basedow unterschieden werden.

Eine durch den Morbus Basedow ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft ist eine besondere Herausforderung. Frauen mit bereits bekanntem Morbus Basedow und Kinderwunsch benötigen daher eine ausführliche Beratung zur nachhaltigen Therapie dieser Erkrankung vor Eintritt einer Schwangerschaft. Tritt der Morbus Basedow in der Schwangerschaft erstmalig auf oder kommt es zu einem Krankheitsrückfall, ist eine erfahrene Betreuung mit Augenmerk auf die Einstellung der mütterlichen Schilddrüsenfunktion, der Antikörper sowie der kindlichen Schilddrüse und Herzfrequenz im Ultraschall durch den betreuenden Frauenarzt erforderlich.

 

Bei SANTÉ FEMME werden Sie von erfahrenen Fachärztinnen begleitet. Unsere Spezialistin für Schilddrüsenerkrankungen und Nuklearmedizin, Dr. Asha Leisser, begleitet Sie von der Diagnose bis zur individuellen Behandlung – einfühlsam, präzise und auf dem neuesten Stand der Medizin.

Ihren Termin bei SANTÉ FEMME können Sie unter +43 1 394 17 17 oder über die Online-Terminvereinbarung buchen.

 

Dr. Asha Leisser, Ärztin für Schilddrüse und Osteoporose Wien

Dr. Leisser