Thrombose– Risikofaktoren, Symptome und Vorbeugung

Grundsätzlich kann eine Thrombose jeden Menschen treffen – doch bei Frauen kommt ein besonderer Faktor hinzu: die Hormone. Ob Pille, Schwangerschaft, Wochenbett oder Hormonersatztherapie – sie alle wirken auf die Blutgerinnung und können das Thromboserisiko steigern. Unsere Venenspezialistin Dr. Tereza Hájková erklärt, woran Sie eine Thrombose erkennen, welche Risikofaktoren für Frauen typisch sind und wie Sie sich schützen können.

Was ist eine Thrombose?

Eine Thrombose entsteht, wenn ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Blutgefäß verschließt und den Blutfluss teilweise oder ganz behindert. Besonders häufig trifft es die tiefen Venen in Beinen und Becken – hier hat das Blut den weitesten Weg zurück zum Herzen und muss zudem gegen die Schwerkraft anfließen. Man spricht dann von einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT).

Das Hauptrisiko liegt darin, dass sich das Gerinnsel lösen und über den Blutstrom in die Lunge gelangen kann. Verschließt es dort eine Lungenarterie, kommt es zur Lungenembolie – einem potenziell lebensbedrohlichen Notfall, meist innerhalb der ersten beiden Wochen nach Entstehung der Thrombose. Umso wichtiger ist es, Anzeichen einer Thrombose ernst zu nehmen und rasch abzuklären.

Symptome: Woran erkennt man eine Thrombose?

Thrombosen bilden sich meist in den großen Venen der Unterschenkel, da dort das Blut gegen die Schwerkraft fließen muss, um zum Herzen zurückzugelangen. Die häufigsten Symptome sind dann wie folgt:

  • Ödeme – Wassereinlagerung in den Beinen
  • Schmerzen in den Beinen, die einem Muskelkater ähneln können
  • Stärker sichtbare Hautvenen (auch Warnvenen genannt)

Bei Thrombosen der Armvenen treten Schwellungen in dem betroffenen Arm auf, meist ist auch die Hand geschwollen und der Arm verfärbt sich rötlich-lila. Druck auf den Arm oder auch Bewegungen bereiten Schmerzen. Meistens sind diese schmerzhafter, als Thrombosen in den Beinen.

Eine Thrombose kann in jedem Blutgefäß des Körpers entstehen und sollte in jedem Fall behandelt werden, da sich das Gerinnsel lösen und in andere Organe gespült werden kann. 

Wie entsteht eine Thrombose?

Ob sich ein Blutgerinnsel bildet, hängt vom Zusammenspiel dreier Faktoren ab, die in der Medizin als Virchow-Trias bekannt sind:

  • Veränderter Blutfluss (Hämodynamik): Fließt das Blut zu langsam – etwa bei langem Sitzen/Liegen oder durch Krampfadern –, staut es sich in den Venen und gerinnt leichter.
  • Schädigung der Venenwand: Verletzungen, Operationen oder Entzündungen können die innere Gefäßwand angreifen und so die Gerinnselbildung anstoßen.
  • Erhöhte Gerinnungsneigung (Thrombophilie): gerinnt das Blut schneller als normal, steigt das Risiko – etwa durch hormonelle Einflüsse wie Pille oder Schwangerschaft oder durch angeborene Gerinnungsstörungen wie die Faktor-V-Leiden-Mutation.

Besonders kritisch wird es, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen – zum Beispiel eine lange Flugreise (langsamer Blutfluss) bei einer Frau, die zugleich die Pille einnimmt (erhöhte Gerinnungsneigung).

Behandlung einer Thrombose

Ziel jeder Thrombosebehandlung ist es, das Gerinnsel am Weiterwachsen zu hindern und bleibende Schäden an den Venen zu vermeiden. Zur Behandlung einer Thrombose gibt es vor allem zwei Möglichkeiten – die orale Antikoagulationstherapie und die Kompressionstherapie:

  • Orale Antikoagulationstherapie: Blutverdünnende Medikamente in Tablettenform hemmen die Gerinnung, sodass das bestehende Gerinnsel nicht weiterwächst und sich keine neuen bilden. Der Körper baut den Thrombus dann nach und nach selbst ab.
  • Kompressionstherapie: Ein Kompressionsstrumpf – bei einer Beinvenenthrombose meist als Oberschenkelstrumpf – unterstützt den Blutrückfluss zum Herzen, lindert die Schwellung und beugt Spätfolgen wie dem postthrombotischen Syndrom vor.

Warum Frauen ein besonderes Risiko haben: Hormone und Gerinnung

Östrogen und andere weibliche Geschlechtshormone beeinflussen, wie leicht das Blut gerinnt: Sie kurbeln gerinnungsfördernde Faktoren an und schwächen die Mechanismen, die eine Gerinnselbildung normalerweise verhindern. Immer dann, wenn der Östrogenspiegel besonders hoch ist oder sich stark verändert, kann das Thromboserisiko steigen – vor allem in drei Situationen.

Die Pille und andere hormonelle Verhütung

Die klassische Antibabypille kombiniert Östrogen und Gestagen – und beide zusammen erhöhen das Risiko für eine venöse Thromboembolie. Entscheidend ist dabei, welches Gestagen enthalten ist: Präparate mit den älteren Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat haben das niedrigste Risiko und steigern es einer großen britischen Auswertung zufolge etwa um das 2,5-Fache. Neuere Präparate mit Desogestrel, Gestoden, Drospirenon oder Cyproteron erhöhen es dagegen um rund das Vierfache.

Wichtig zur Einordnung: Generell bleibt das Risiko eher gering. Am höchsten ist das Risiko im ersten Anwendungsjahr, sowie nach einem Wiederbeginn.

Auch Verhütungspflaster und Vaginalring gehen mit einem ähnlich erhöhten Risiko einher wie die kombinierte Pille. Reine Gestagenpräparate – etwa die „Minipille” (das sind östrogenfreie Pillen) oder die Hormonspirale – erhöhen das Thromboserisiko dagegen nach aktueller Datenlage nicht; eine Ausnahme bildet die Dreimonatsspritze mit Medroxyprogesteronacetat.

Schwangerschaft und Wochenbett

Das Thromboserisiko ist in der Schwangerschaft fünf- bis sechsmal höher als bei Nichtschwangeren – da die Blutgerinnung von Natur aus verstärkt ist. Wenig Bewegung kann dieses Risiko noch weiter erhöhen.

Hier gilt: Wenn Symptome wie Beinschwellungen, einseitige Schmerzen oder Atemnot in Schwangerschaft und nach der Geburt auftreten sollten, sollten diese immer ärztlich abgeklärt werden. Wer bereits einmal eine Thrombose hatte, sollte dies vor einer geplanten Schwangerschaft besprechen, damit rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen geplant werden können.

Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

Auch eine Hormonersatztherapie (HRT) gegen Wechseljahresbeschwerden kann das Risiko für venöse Thromboembolien erhöhen. Entscheidend ist hier die Darreichungsform: Während die Einnahme von Östrogen in Tablettenform zahlreiche Gerinnungsfaktoren ansteigen lässt, gilt die Zufuhr über die Haut – als Pflaster, Gel oder Creme – als weitgehend gerinnungsneutral. Große Untersuchungen zeigen, dass transdermale Präparate das Thromboserisiko im Gegensatz zu Tabletten nicht wesentlich erhöhen.

Weitere Risikofaktoren

Neben den hormonellen Einflüssen gibt es zahlreiche allgemeine Faktoren, die eine Thrombose fördern können. Dies gilt alle Menschen.

  • Bewegungsmangel und Immobilität: langes Sitzen, Bettlägerigkeit nach Operationen oder Verletzungen, längere Reisen
  • Operationen und Traumata: besonders größere Eingriffe an Hüfte, Knie und Becken sowie Knochenbrüche
  • Übergewicht und höheres Lebensalter (ab etwa 35 Jahren steigt das Risiko spürbar)
  • Rauchen – in Kombination mit der Pille verstärkt sich der Effekt deutlich
  • Krampfadern und eine verlangsamte Blutströmung
  • Erhöhte Gerinnungsneigung, etwa durch angeborene Thrombophilien wie die Faktor-V-Leiden-Mutation, sowie schwere Erkrankungen wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen
  • Flüssigkeitsmangel, wodurch das Blut dickflüssiger wird

Besonders kritisch ist die Kombination mehrerer Faktoren wie zum Beispiel:  Rauchen + Pille + eine lange Flugreise. Wer Fälle von Thrombosen in der Familie hat, kennt oder bereits selbst betroffen war, sollte das bei jeder Verordnung hormoneller Präparate ansprechen.

Diagnose

Eine oberflächliche Thrombose zeigt sich durch wesentlich stärkere Schmerzen aus und ist somit auch meist leichter zu diagnostizieren, als ein tieferliegender Gefäßverschluss. Zweitere hat allerdings in den häufigsten Fällen schwerwiegendere Folgen.

  • Punktbewertungssystem:

Um eine Thrombose einordnen zu können, werden spezielle Punktbewertungssysteme verwendet, so kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine tiefe Beinvenenthrombose vorliegt. Treffen bestimmte Parameter zu, werden dafür Punkte gegeben. Diese können z.B. eine aktive Tumorerkrankung, eine größere Operation in den letzten drei Monaten oder Schwellung des kompletten Beines sein. Die Wahrscheinlichkeit für eine tiefe Beinvenenthrombose ist höher, je mehr Punkt in Summer gezählt werden.

  • Blutuntersuchung:

Bei dieser Untersuchung wird nach Abbauprodukten von Blutgerinnseln gesucht, diese nennen sich D-Dimeren. Wenn die Messung im Normbereich liegt, kann man davon ausgehen, dass eine Thrombose auszuschließen ist.

  • Ultraschall-Diagnostik:

Eine Kompressionssonographie ist eine nicht-invasive und risikoarme Untersuchungsmethode kann die Venen bildlich darstellen. Diese Art der Untersuchung ist besonders zuverlässig und kann mit einer großen Sicherheit eine Venenthrombose nachweisen oder ausschließen.

Vorbeugung: Was Sie selbst tun können

Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen. Diese Maßnahmen helfen, einer Thrombose vorzubeugen:

  • In Bewegung bleiben: Regelmäßige Bewegung aktiviert die Muskel-Venen-Pumpe der Waden, die das Blut zum Herzen zurücktransportiert. Gerade bei sitzender Tätigkeit lohnen sich regelmäßiges Aufstehen und kleine Bewegungsübungen.
  • Reisethrombose vermeiden: Auf langen Flug- oder Autoreisen viel trinken, die Beine bewegen und bei erhöhtem Risiko Kompressionsstrümpfe tragen. In besonderen Fällen kann eine vorbeugende Thrombose-Spritze sinnvoll sein.
  • Ausreichend trinken: Wasser und ungesüßte Getränke halten das Blut fließfähig.
  • Gewicht im Blick behalten und mit dem Rauchen aufhören – besonders wichtig bei gleichzeitiger Einnahme der Pille.
  • Krampfadern früh abklären und behandeln lassen, um spätere Thrombosen zu vermeiden.
  • Nach Operationen oder bei Ruhigstellung wird häufig vorübergehend eine Thrombose-Spritze (meist Heparin) oder das Tragen von Anti-Thrombose-Strümpfen empfohlen.
  • Verhütung und HRT bewusst wählen: Lassen Sie sich vor der Verordnung über Ihr persönliches Risiko beraten – bei erhöhtem Risiko können risikoärmere Präparate oder die transdermale Hormongabe die bessere Wahl sein.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Suchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe, wenn ein Bein plötzlich anschwillt, schmerzt, überwärmt oder verfärbt ist. Treten Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen auf, handelt es sich um einen Notfall – wählen Sie sofort den Notruf. Je früher eine Thrombose erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln und desto geringer ist das Risiko für Spätfolgen wie das postthrombotische Syndrom.

 

 

Thrombose abklären in Wien

Unsere Phlebologin Dr. Tereza Hájková ist Venenspezialistin bei Santé femme und nimmt sich für Untersuchung und Beratung gerne Zeit für Sie – von der Risikoeinschätzung über die Ultraschalldiagnostik bis zur individuellen Vorbeugung. Vereinbaren Sie Ihren Termin telefonisch unter +43 1 394 17 17 oder buchen Sie online über unseren Online-Kalender.

 

 

Venenarzt Wien

Dr. med. univ. Tereza Hájková