Von PCOS zu PMOS – wenn die Hormone aus dem Gleichgewicht geraten

Seit Mai 2026 hat eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen einen neuen Namen: Das Polyzystische Ovarialsyndrom – jahrzehntelang als PCOS bekannt – heißt nun offiziell Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome, kurz PMOS.

Unregelmäßiger Zyklus, Hautprobleme, unerfüllter Kinderwunsch – viele Frauen kämpfen jahrelang mit diesen Beschwerden, ohne zu wissen, dass PMOS dahinterstecken könnte. Die Erkrankung betrifft 5 bis 10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter und bleibt trotzdem eine der am häufigsten übersehenen Erkrankungen überhaupt.

Was ist das PMO-Syndrom?

Das Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome, – früher unter dem Namen Polyzystische Ovarialsyndrom bekannt, ist eine hormonelle Störung, die den weiblichen Hormonhaushalt und die Funktion der Eierstöcke beeinflusst.

Gesunde Eierstöcke erfüllen zwei zentrale Aufgaben: Sie bereiten Eizellen auf die Befruchtung vor und produzieren die Hormone Östrogen und Progesteron. Bei PMOS ist diese Funktion gestört – statt weiblicher Geschlechtshormone werden vermehrt männliche Hormone wie Testosteron produziert.

Verantwortlich dafür ist ein gestörtes Zusammenspiel der Steuerungshormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierende Hormon), die in der Hirnanhangdrüse gebildet werden. Bei PMOS ist LH erhöht und FSH erniedrigt. Dieses Ungleichgewicht treibt die Eierstöcke zur übermäßigen Produktion von Androgenen an – männlichen Geschlechtshormonen wie Testosteron. Diese kommen im weiblichen Körper zwar natürlich vor, bei PMOS liegen sie jedoch in einer zu hohen Konzentration vor und verhindern so den Eisprung.

Während LH und FSH bei gesunden Frauen in etwa gleicher Menge vorliegen, kann LH bei PMOS zwei- bis dreimal so hoch sein wie FSH. Die Folge ist eine übermäßige Androgenproduktion, die den Zyklus stört, den Eisprung blockiert – und Symptome wie Akne, Haarausfall oder vermehrte Körperbehaarung auftreten können. Bei PMOS sind nicht nur LH, FSH und Testosteron betroffen – auch Prolaktin, Androstendion und Progesteron können aus dem Gleichgewicht geraten und das Krankheitsbild beeinflussen.

Die wichtigsten Hormone bei PMOS im Überblick:

Steuerungshormone

  • LH – Luteinisierendes Hormon

Durch das LH wird der Eisprung ausgelöst, vor der Ovulation ist in der Regel ein starker Anstieg des LH-Wertes zu verzeichnen.

  • FSH – Follikelstimulierende Hormon

Auch der FSH-Wert steigt in dieser Phase an, am Anfang und Ende des Zyklus sollten beide Spiegel wieder sehr niedrig sein.

  • Prolaktin

Prolaktin ist ein Hormon, welches in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) gebildet wird. Prolaktin ist eigentlich für die Milchbildung nach der Geburt zuständig, kann aber bei Überproduktion den Eisprung unterdrücken und dadurch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Weibliche Hormone

  • Östrogen

Östrogen ist wesentlich für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsmerkmale und spielt eine zentrale Rolle während des Menstruationszyklus sowie der Schwangerschaft.

  • Progesteron

Nach dem Eisprung beginnt der Körper, das Hormon Progesteron zu produzieren. Dieses Hormon wird von einem kleinen „Drüsenkörper“ im Eierstock gebildet, der sich aus dem gesprungenen Eibläschen (Follikel) entwickelt. Dieser Drüsenkörper wird Gelbkörper genannt – daher auch der Name „Gelbkörperhormon“.

Männliche Hormone

  • Testosteron

Nicht nur Männer, sondern auch Frauen bilden das Sexualhormon Testosteron. In kleinen Mengen wird es von der Nebennierenrinde und den Eierstöcken produziert. Hauptsächlich wird Testosteron für den Knochen- und Muskelaufbau gebraucht, es steigert außerdem die sexuelle Lust bei Frauen. Der weibliche Körper wandelt allerdings den größten Teil von Testosteron in Östrogene um. Zu hohe Werte von Testosteron im Blut können nicht nur zu Akne oder starker Körper- und Gesichtsbehaarung führen, sondern auch die Fruchtbarkeit mindern. Die Bildung von vermehrten Eibläschen in den Eierstöcken kann auf das PMO-Syndrom hindeuten.

  • Androstendion

Androstendion gehört zu den Androgenen und ist ein Steroidhormon, das strukturell und funktionell eng mit Testosteron verwandt ist.

 

Wie entsteht das PMO-Syndrom?


Die genaue Ursache von PMOS ist bis heute nicht vollständig geklärt — fest steht jedoch: Es ist selten nur ein Faktor. Vielmehr ist es ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen, hormonellen und stoffwechselbedingten Einflüssen, die sich gegenseitig verstärken können.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen bis heute genetische, hormonelle und stoffwechselbedingte Komponenten — die im Folgenden näher beleuchtet werden.

 

Genetische Veranlagung

Dass PMOS eine genetische Komponente hat, zeigen zahlreiche Untersuchungen — darunter Fallberichte über betroffene Schwestern, Mutter-Tochter-Paare und eineiige Zwillinge. Cooper et al. konnten in einer größeren Studie zeigen, dass bereits eine einzige Genvariante ausreichen kann, um PMOS auszulösen — auch wenn sie sich nicht bei jeder Frau gleich stark zeigt. Was das konkret bedeutet: Weibliche Verwandte ersten Grades haben ein fünf- bis sechsfach erhöhtes Erkrankungsrisiko.

 

Androgenüberschuss

Wenn die Eierstöcke zu viele Androgene produzieren, gerät einiges durcheinander. Diese männlichen Geschlechtshormone — allen voran Testosteron — sind auch im weiblichen Körper natürlich vorhanden, aber in zu hoher Konzentration stören sie das hormonelle Gleichgewicht.

 

Symptome und warum die Diagnose so lange dauern kann

PMOS zeigt sich selten auf eine einzige Art und genau das macht es so schwer zu erkennen.

Wenn die Eierstöcke zu viele Androgene produzieren, gerät einiges durcheinander. Diese männlichen Geschlechtshormone — allen voran Testosteron — sind auch im weiblichen Körper natürlich vorhanden, aber in zu hoher Konzentration stören sie das hormonelle Gleichgewicht empfindlich. Äußern kann sich das auf verschiedene Weise: Der Eisprung bleibt aus, der Zyklus wird unregelmäßig — und auch die Haut und Haare bleiben nicht verschont. Akne, Haarausfall oder vermehrte Körperbehaarung sind typische Begleiterscheinungen.

Dazu können weitere Beschwerden auftreten, wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, ein Völle- oder Spannungsgefühl im Unterbauch oder ein erhöhter Harndrang durch Druck auf die Blase. In ernsteren Fällen kommt es zu Komplikationen wie dem Platzen oder Verdrehen einer Zyste, anhaltenden Blutungen oder selten einer bösartigen Entartung.

Da die Symptome so unterschiedlich sind und sich oft schleichend zeigen, werden sie häufig einzeln behandelt. Der Zusammenhang bleibt dabei lange unentdeckt. Bis zur Diagnose PMOS vergehen im Durchschnitt mehrere Jahre.

PMOS und Kinderwunsch

PMOS zählt zu den häufigsten Ursachen eingeschränkter Fruchtbarkeit bei Frauen im gebärfähigen Alter. Da viele Eibläschen zwar vorhanden sind, der Eisprung aber oft ausbleibt oder unregelmäßig ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft. ie gute Nachricht: Die Eierstöcke sind meist grundsätzlich intakt — das Hauptproblem liegt in der Eizellreifung, und das lässt sich behandeln Ein gesundes Körpergewicht — also weder Unter- noch Übergewicht — kann die Insulinsensitivität verbessern und zu einer Normalisierung des Zyklus beitragen. Es kann den Hormonhaushalt stabilisieren, die Zyklusregularität verbessern und die Ovulationsrate erhöhen. Ergänzend können ovulationsinduzierende Medikamente den Eisprung gezielt unterstützen.

Diagnostik – wie wird das PMOS festgestellt?

Die Diagnose PMOS ist kein Ergebnis einer einzelnen Untersuchung — sie entsteht aus einem Gesamtbild, das gemeinsam mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen erarbeitet wird. Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch an, in dem gezielt nach Zyklusunregelmäßigkeiten, Hautveränderungen, Haarausfall oder einem unerfüllten Kinderwunsch gefragt wird. Ergänzt wird dies durch eine körperliche Untersuchung mit Blutdruck und BMI (Body-Mass-Index), einer Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke sowie Laborwerte zu Hormonen, Insulinresistenz und Blutfettwerten. Im Ultraschall zeigen sich bei PMOS häufig vergrößerte Eierstöcke mit mehr als 20 sichtbaren Follikeln — ein charakteristisches Merkmal der Erkrankung. Laut internationaler Leitlinie gilt die Diagnose als gesichert, wenn mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sind:

Behandlung – was wirklich hilft

Ob PMOS dauerhaft bestehen bleibt, ist individuell verschieden – manche Frauen erleben eine Verbesserung oder sogar ein vollständiges Verschwinden der. Grundsätzlich lässt sich PMOS gut behandeln und die Beschwerden können deutlich gelindert werden. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können den Hormonhaushalt positiv beeinflussen und Symptome wie Akne, Haarausfall oder Insulinresistenz deutlich verbessern. Bewegung aktiviert die Muskeln und hilft dabei, hormonproduzierendes Bauchfett abzubauen — ein entscheidender Faktor, da dieses Fett aktiv in den Hormonhaushalt eingreift. Wenn die Lebensstilmodifikationen nicht ausreichen und Beschwerden wie Zyklusunregelmäßigkeiten, ausbleibende Zyklen, Haarausfall oder Akne belastend sind, kann eine hormonelle Therapie in Betracht gezogen werden. Die Pille kann in diesem Fall helfen den Androgenspiegel zu senken und Symptome zu lindern.

 

PMOS früh erkennen

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