Übelkeit in der Schwangerschaft

Übelkeit in der Schwangerschaft ist häufig – bis zu 80 Prozent aller Schwangeren sind im ersten Trimester davon betroffen. Medizinisch spricht man von Emesis gravidarum, in ihrer schweren Form von Hyperemesis gravidarum. Typischerweise treten die ersten Beschwerden um die 5. Schwangerschaftswoche auf. Am stärksten sind diese meistens in der 9. Woche und bei den meisten Frauen lassen diese bis zur 16. bis 18. Woche deutlich nach – in manchen Fällen bleiben sie aber die gesamte Schwangerschaft über bestehen. Leichte Übelkeit ist in der Schwangerschaft normal – und kein Grund zur Sorge. Anders sieht es aus, wenn Erbrechen, Flüssigkeitsverlust und Gewichtsabnahme zunehmen: Dann handelt es sich möglicherweise um eine Hyperemesis gravidarum, die ohne ärztliche Behandlung ernsthafte Folgen haben kann.

Normale Schwangerschaftsübelkeit vs. Schwere Verlaufsform der Schwangerschaftsübelkeit

Normale Schwangerschaftsübelkeit – Emesis gravidarum

Als Emesis gravidarum bezeichnet man die normale Übelkeit in der Schwangerschaft – eine häufige Begleiterscheinung des ersten Trimesters, von der bis zu 80 Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Die Beschwerden reichen von Übelkeit und gelegentlichem Erbrechen über Appetitlosigkeit. Der Geruchssinn reagiert plötzlich auf Dinge, die früher nie aufgefallen sind – Kochgerüche, Parfum, manchmal sogar frische Luft. Flüssigkeiten und Nahrung können gehalten werden. Für die meisten Frauen ist es eine belastende, aber überschaubare Phase – gegen Ende des ersten Trimesters – meist zwischen der 16. und 18. Schwangerschaftswoche – tritt bei den meisten Frauen spürbare Erleichterung ein.

Schwere Verlaufsform der Schwangerschaftsübelkeit – Hyperemesis gravidarum

Hyperemesis gravidarum ist die schwere Verlaufsform der Schwangerschaftsübelkeit und betrifft etwa ein bis zwei Prozent aller Schwangeren. Bei dieser Form von Schwangerschaftsübelkeit ist das Erbrechen häufig, anhaltend und kaum zu stoppen – Flüssigkeit und Nahrung können kaum gehalten werden. Dies hat zu Folge, dass es zu Gewichtsverlust, einem Ungleichgewicht der Elektrolyte sowie extremer Erschöpfung und Schwindel kommen kann. Hyperemesis gravidarum ist keine übertriebene Morgenübelkeit – sie ist eine eigenständige Erkrankung, die ohne ärztliche Behandlung ernsthafte Folgen für Mutter und Kind haben kann und unbedingt ernst genommen werden muss.

Folgende Warnsignale sollten immer Anlass für einen raschen Arztbesuch sein:

  • Erbrechen häufiger als fünfmal täglich
  • Unfähigkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten
  • Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Verwirrtheit
  • neurologische Auffälligkeiten wie Taubheitsgefühle, Seh- oder Sprachstörungen

Ursachen der Schwangerschaftsübelkeit

So häufig Schwangerschaftsübelkeit ist – ihre genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig erforscht. Es sind mehrere Faktoren, die zusammenwirken. Eine zentrale Rolle spielt das Schwangerschaftshormon hCG – das Humane Choriongonadotropin. Es wird unmittelbar nach der Einnistung von der werdenden Plazenta produziert und ist das erste Hormon, das der Körper in der Schwangerschaft ausschüttet. Mit jeder Woche steigt der hCG-Spiegel weiter – bis er rund um die 9. bis 12. Schwangerschaftswoche seinen Höhepunkt erreicht. In diesem Zeitfenster ist die Übelkeit bei den meisten Frauen am stärksten – ein Zusammenhang, der kein Zufall ist. Hinzu kommen steigende Östrogen- und Progesteronspiegel. Progesteron verlangsamt die Aktivität des Magens – dies hat zur Folge: Der Magen arbeitet langsamer, das Völlegefühl bleibt länger – und die Übelkeit auch. Darüber hinaus gibt es individuelle Risikofaktoren: Schlafmangel und Stress verschlimmern die Symptome. Eine genetische Veranlagung erhöht das Risiko – wer in der Familie bereits stark betroffen war, ist selbst anfälliger. Darüber hinaus sind Frauen häufiger betroffen, die bereits bei der Einnahme der Pille mit Übelkeit zu kämpfen hatten oder generell zu Reisekrankheit neigen – ihr Körper reagiert sensibler auf hormonelle Veränderungen.

Was Sie selbst tun können: Tipps aus dem Alltag

Leichte bis mittlere Schwangerschaftsübelkeit lässt sich oft schon mit einfachen Maßnahmen im Alltag lindern. Diese Tipps haben sich in der Praxis bewährt.

  • Kleine, häufige Mahlzeiten
    Essen Sie lieber fünf bis sechs kleine Portionen über den Tag verteilt – und warten Sie nicht, bis der Hunger eintritt. Ein leerer Magen verstärkt die Übelkeit. Gut verträglich sind zum Beispiel Schonkost Bananen, Reis, Apfelmus und trockenes Toastbrot.
  • Essen vor dem Aufstehen
    In vielen Fällen hat sich bewährt, Salzcracker oder Zwieback ans Bett zu legen und dies umgehend nach dem Aufwachsen zu essen. Essen. Wenn man etwas im Magen hat, dann ist es mit der Übelkeit leichter.
  • Ausreichend trinken – am besten in kleinen Schlucken
    Stilles Wasser, Ingwertee oder klare Brühe über den Tag verteilt trinken. Manche Frauen vertragen kohlesäurehaltige Getränke besser – das ist von Person zu Person unterschiedlich.
  • Nahrungsergänzungsmittel
    Nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel ist in der Frühschwangerschaft gleich gut verträglich. Eisenhaltige Pränatale Vitamine können Übelkeit verstärken – manchmal hilft bereits ein Wechsel des Präparats.

Nicht sicher, was Ihre Übelkeit auslöst oder verstärkt? Unsere Ärztinnen bei SANTÉ FEMME nehmen sich Zeit für Sie – und finden gemeinsam mit Ihnen heraus, was wirklich hilft.

Komplementärmedizin bei Schwangerschaftsübelkeit

Neben klassischen Hausmitteln gibt es eine Reihe von komplementärmedizinischen Ansätzen, die vielen Frauen helfen. Akupunktur hat sich als äußerst effektiv erwiesen, um diese Beschwerden zu lindern. Studien haben gezeigt, dass die Anwendung bestimmter Akupunkturpunkte, insbesondere am Handgelenk, der sogenannte P6-Punkt, die Übelkeit signifikant verringern kann. Durch die Stimulation dieses Punktes wird das Nervensystem beeinflusst und die Verdauungsfunktion stabilisiert. Auch Akupressur-Bänder, die denselben Punkt stimulieren, sind eine einfache und jederzeit anwendbare Alternative – sie sind rezeptfrei erhältlich und können den ganzen Tag getragen werden.

Was hilft gegen extreme Schwangerschaftsübelkeit?

Medizinische Therapie

Wenn einfache Maßnahmen nicht mehr ausreichen, braucht es ärztliche Unterstützung. Unbehandelte Hyperemesis gravidarum belastet nicht nur den Körper der Mutter – sie kann langfristig auch das ungeborene Kind beeinträchtigen. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser – für Sie und für Ihr Kind.

Welche Therapie in Frage kommt, hängt vom Schweregrad der Beschwerden ab. Der Weg dahin beginnt mit einer genauen Diagnose – und die startet mit einem Gespräch.– denn ein genaues Bild der Beschwerden ist die Grundlage jeder Therapie.

Dort werden Fragen geklärt wie – wie oft erbrochen wird, ob Flüssigkeit gehalten werden kann oder ob der Alltag noch bewältigbar ist. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung: Blutdruck, Herzfrequenz und der Zustand des Kindes werden überprüft. Zeigen sich Anzeichen einer Dehydratation, geben Urin- und – und Bluttests Aufschluss – der Ketonspiegel zeigt, ob der Körper bereits auf seine Reserven zurückgreift.

Auf Basis dieser Befunde entscheidet die Ärztin, welche Therapie als nächstes zum Einsatz kommt. Hier sind die gängigsten Therapiemöglichkeiten im Überblick.

  • Orale Medikamente
    Reichen einfache Maßnahmen nicht mehr aus – wie etwa die Anpassung der Ernährung oder Hausmittel – werden gezielt Medikamente eingesetzt. Erster Schritt ist meist Vitamin B6. Dieser Wirkstoff ist gut verträglich und gilt als sichere Option in der Frühschwangerschaft. Wenn hier keine Besserung der Übelkeit eintritt, dann stehen weitere Wirkstoffe zur Verfügung: Doxylamin, Metoclopramid, Ondansetron oder Promethazin.
    Alle diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig und werden von der Ärztin individuell ausgewählt. Die Wahl des Medikaments richtet sich dabei nach dem Schweregrad der Beschwerden und der individuellen Verträglichkeit.
  • Infusionstherapie
    Bei starker Dehydratation wird Flüssigkeit intravenös zugeführt – also direkt über die Vene. Die Infusion enthält Glukose sowie bei Bedarf Elektrolyte und Vitamine – alles, was die Schwangere braucht, um sich rasch zu erholen. Viele Frauen berichten bereits nach einer einzigen Infusionsbehandlung von einer deutlichen Verbesserung ihres Allgemeinzustands. Sobald das Erbrechen nachlässt, wird auf orale Flüssigkeitszufuhr umgestellt – und schrittweise mit kleinen Mahlzeiten begonnen.

Die Auswirkungen auf die Psyche

Was häufig übersehen wird: Anhaltende schwere Übelkeit kann erhebliche psychische Folgen haben. Frauen mit Hyperemesis gravidarum berichten häufig von depressiven Verstimmungen, Angstzuständen, sozialer Isolation und in manchen Fällen kommen sogar Gedanken auf, die Schwangerschaft zu beenden – obwohl das Kind gewünscht war. Diese emotionalen Belastungen sind ernst zu nehmen und sollten offen mit der behandelnden ÄrztIn besprochen werden. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrer Ärztin, Ihrem Partner oder Ihren Angehörigen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlasten. Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein – und es gibt Unterstützung.

Beratung und Behandlung bei SANTÉ FEMME in Wien

Bei schwerem Schwangerschaftserbrechen kommen Lebensstiländerung und komplementär medizinische Methoden manchmal an ihre Grenzen. Bei SANTÉ FEMME stehen Ihnen vielfältige medizinische Therapien zur Verfügung. Unsere ÄrztInnen können orale Medikamente verschreiben oder bei Bedarf eine ambulante Infusionstherapie durchführen. Die Infusionstherapie besteht aus den Medikamenten, die den Brechreiz mindern und ein Elektrolyt, Zucker- und Flüssigkeitsverlust ausgleichen.

Vereinbaren Sie Ihre Beratung unter +43 1 394 17 17 oder ohne Wartezeiten am Telefon unter www.sante-femme.at.